Teil eines Werkes 
5.-8. Bdchn. (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ſich dehnt und ihm nach allen Seiten entfällt; hier hat ein Anderer einen Mehlbeutel erobert und trägt ihn hoch in die Luft gehalten; das iſt ein Hinundhergehen und Hanthiren, wie man es nicht alle Tage erlebt: Männer, Weiber, Kinder; ein Gedränge vor⸗ und rückwärts, ein Geſchrei und eine weiße Staubwolke, welche ſich auf Alles niederſenkt, überall ſich erhebt, Alles einhüllt und umnebelt. Von Außen ein Gedränge, beſtehend aus zwei entgegenge⸗ ſetzten Prozeſſionen, welche abwechſelnd aufeinander ſtoßen und einander in Verwirrung bringen, indem die eine mit der Beute hinausgeht, die andere hereindringen will, um Beute zu machen.

Während dieſes Backhaus auf ſolche Art ausgeleert wurde, blieb kein anderes in der Stadt ruhig und unge⸗ fährdet. Aber vor keinem rottete ſich das Volk zahlreich genug zuſammen, um Alles wagen zu können; in einigen hatten die Eigenthümer Hilfstruppen zuſammengezogen und ſich zu vertheidigen bereit gehalten; in andern ließen ſie ſich, da ſie ſchwächer an Jahl oder ängſtlicher waren, ge⸗ wiſſermaßen auf Vergleiche ein; ſie vertheilten Brod an Diejenigen, welche ſich vor den Läden zuſammenzurotten angefangen hatten; aber unter der Bedingung, daß ſie ſich entfernen ſollten. Sie gingen denn auch, nicht ſowohl weil ſie mit ihrem Erwerb zufrieden waren, als vielmehr weil die Hellebardiere und Häſcher, welche in dem ſchreck⸗ lichen, ſogenannten Krückenofen keine Schlacht gewagt hatten, anderswo mit ausreichender Macht erſchienen, um die kleinen Häuflein der Meuterer in Reſpect zu halten. So wurde das Gedränge und der Wirrwarr bei jenem un⸗ ſeligen erſten Backhaus immer größer; denn alle diejenigen, denen es in den Händen juckte, und die ein Gelüſte nach irgend einer ſchönen That trugen, begaben ſich eben dahin, wo die Freunde in größerer Anzahl beiſammen und die Strafloſigkeit ſo gut wie ſicher war.

So ſtanden die Sachen, als Renzo, der, wie wir be⸗ reits geſagt, ſein Brod allmälig verzehrt hatte, aus der