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„Es gehört jedem Etwas, du Plaudertaſche, ſagte der Mann,„Ueberfluß, Ueberfluß!“
Aus ſolchen und ähnlichen Dingen, die er ſah und hörte, begann Renzo zu ſchließen, daß er in eine empörte Stadt gekommen und daß dieß ein Tag der Eroberung ſei, d. h. ein Tag, wo Jeder nach Belieben und Kräften zugreife und höchſtens mit Prügeln bezahle. So gern wir nun unſern armen Gebirgsbewohner eine löbliche Rolle ſpielen laſſen möchten, ſo zwingt uns die hiſtoriſche Aufrichtigkeit, zu geſtehen, daß ſeine erſte Empfindung dabei Wohlgefallen war. Er hatte ſo wenig Urſache, mit dem gewöhnlichen Lauf der Dinge zufrieden zu ſein, daß er ſich geneigt fühlte, Alles gut zu heißen, was den⸗ ſelben auf irgend eine Weiſe verändern könnte. Im Uebrigen war auch er keineswegs ein Menſch, der über ſeinem Jahrhundert ſtand, in der allgemeinen, leiden⸗ ſchaftlichen Meinung befangen, daß der Brodmangel durch die Kornwucherer und Bäcker verurſacht worden ſei, und er billigte gern jedes Mittel, ihnen die Nah⸗ rung aus den Händen zu reißen, welche ſie jener An⸗ ſicht zu Folge dem Hunger eines ganzen Volkes ver⸗ weigerten. Dennoch beſchloß er, dem Aufruhr fern zu bleiben und freute ſich, auf dem Wege zu einem Ka⸗ puziner zu ſein, der ihm eine Zufluchtsſtätte gewähren und guten Rath ertheilen würde. Unter ſolchen Ge⸗ danken und indem er inzwiſchen die neuen Froberer betrachtete, die mit Beute beladen einherkamen, legte er den kurzen Weg zurück, den er noch bis in's Kloſter zu machen hatte.
Da wo jetzt der ſchöne Palaſt mit der hohen Galerie hervorragt, befand ſich damals und noch vor nicht vielen Jahren ein kleiner Platz, und am Ende deſſelben ſtand die Kirche und das Kloſter der Kapuziner mit vier großen Ulmen davor. Wir wünſchen dazu nicht ohne Neid denjenigen unſerer Leſer Glück, welche die Dinge in dieſem Zuſtand nicht geſehen haben, d. h. denjenigen, die noch ſehr jung ſind und noch nicht Zeit gehabt gn viele dumme Streiche zu machen. i ging gerade


