Teil eines Werkes 
1.-4. Bdchn. (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Figur der Frau: ein unförmlich dicker Leib und zwei ausgebreitete Arme, die ihn kaum feſtzuhalten ſchienen, ähnlich zwei vom Hals bis zum Bauch hinabgekrümmten Handgriffen eines großen Gefäßes; unter dieſem dicken Vibe hervor gingen zwei bis über die Kniee nackten Beine,

die ſich taumelnd vorwärts bewegten. Renzo blickte ſcharf hin und ſah, daß dieſer große Leib der Unterrock war, welchen die Frau aufgehoben trug und mit ſo viel Mehl, als er nur faſſen konnte, ja ſogar mit noch etwas mehr angefüllt hatte, ſo daß jeden Augenblick etwas Staub davon herausflog; der Junge hielt mit beiden Händen einen mit Broden angefüllten Korb auf dem Kopf; da er

jedoch kürzere Beine hatte als ſeine Eltern, ſo blieb er allmählig ein wenig zurück, und wenn er ſie dann wieder im Schnellſchritt einzuholen ſuchte, ſo kam der Korb aus der Lage und es fielen einige Brode heraus. 1 „Wenn Du noch eines herauswirfſt, du garſtiger Eſel.. ſagte die Mutter, mit den Zähnen knirſchend gegen den Jungen. „Ich werfe ſie nicht heraus; ſie fallen von ſelbſt. Wie ſoll ich's denn machen?2“ antwortete dieſer. 1 „Du darfſt Gott danken, daß ich die Hände nicht frei habe,“ fuhr die Frau fort, indem ſie ihre Fäuſte bewegte, wie wenn ſie dem armen Kleinen eine derbe Züchtigung zukommen ließe; und bei dieſer Bewegung verſchüttete ſie eine Mehlwolke, welche mehr als zwei ſolche Brode abge⸗ geben hätte, die der Junge hatte fallen laſſen. 4 „Vorwärts, vorwärts,“ ſagte der Mann,„wir wollen hernach wiederkommen und ſie aufleſen, oder es wird irgend ein Anderer ſie aufleſen; wir darben ſchon ſo lange, jetzt da uns ein bischen Ueberfluß zukommt, wollen wir ihn in frommem Frieden genießen.“ Inzwiſchen kamen Leute von außen hinzu; Einer 3 näherte ſich der Frau und fragte ſie:„Wo holt man denn das Brod 2“— Vorwärts, vorwärts, antwortete ſie, und als die Fremden zehn Schritte eutfernt waren, fügte ſie brummend hinzu:„dieſe Tölpel von Bauern werden noch alle Magazine und Oefen ausräumen, ſo daß für uns nichts mehr übrig bleibt.“

*