auf die Pforte zu, ſchob das halbe Brod, das er übrig
hatte, wieder in die Taſche, holte den Brief hervor, hielt ihn in der Hand bereit und klingelte. Es öffnete ſich ein vergittertes Pförtchen, und an dieſem zeigte ſich das Angeſicht des Bruders Pförtner, welcher fragte, wer
da ſei.
„Einer vom Lande, der dem Pater Bonaventura
einen dringenden Brief von Pater Criſtoforv zu über⸗
bringen hat.“ „Gebt her,“ ſagte der Pförtner, indem er die Hand durch das Gitter ſtreckte.
„Nein, nein, ich ſoll ihn dem Pater in ſeine eigene
Hände übergeben.“
„Er iſt nicht im Kloſter.“
„Laßt mich eintreten, ſo will ich auf ihn warten,“ erwiederte Renzo.“
„Ich will Euch einen Rath geben,“ erwiederte der
Mönch; erwartet ihn in der Kirche, ſo könnt Ihr in⸗ wiſchen ein wenig fromm ſein. In's Kloſter darf für
jetzt Niemand. Mit dieſen Worten ſchloß er das Pfött⸗
chen wieder zu. Renzo blieb ganz verblüfft mit ſeinem
Vrief in der Hand ſtehen. Er that ungefähr zehn Schritte nach der Kirche zu, um den Rath des Pförtners
zu befolgen, dann aber dachte er, er wolle ſich doch zu⸗ Por den Aufruhr noch anſehen. Er ſchritt über den kleinen Platz, trat an den Eingang der Straße und ſtellte ſich, die Arme über der Bruſt gekreuzt, dort auf,
um links hin nach dem Innern der Stadt zu ſehen, wo
das Gewühl dichter und der Lärm größer war. Der Strudel ergriff den Zuſchauer.— Wir wollen doch etwas näher zuſehen, dachte er, zog ſein Brod von Neuem her⸗ vor und brach kauend nach dieſer Gegend auf. Wäh⸗ rend er ſich auf den Weg machte, werden wir ſo kurz als
möglich die Urſachen und Anfänge dieſes Tumultes er⸗
zählen.
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