Teil eines Werkes 
1.-4. Bdchn. (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

———

241

lio;„und Ihr habt ihn ziehen laſſen, wie er gekom⸗ men war!“

„Ei, hätte ich mir denn alle Kapuziner von ganz Italien auf den Hals laden ſollen?“

„Ich weiß nicht,“ ſagte Graf Attilio,„ob ich mich in dieſem Augenblick erinnert haben würde, daß es noch andere Kapuziner außer dieſem verm⸗ſſenen Schur⸗ ten auf der Welt gebe; aber warum ſollte man denn nicht, ſelbſt bei Beobachtung aller Geſetze der Klugheit, auch von einem Kapuziner Genugthuung erhalten kön⸗ nen? Man muß zur rechten Zeit die Höflichkeit gegen

den ganzen Körper verdoppeln, ſo darſ man ſchon ein

einzelnes Glied ungeſtraft durchprügeln. Genug, er iſt für dießmal der wohlverdienten Züchtigung entwiſcht, aber ich nehme ihn unter meinen Schutz, und ich will das Veranügen haben, ihn zu lehren, wie man mit Unſers Gleichen ſpricht.“

„Macht mein Spiel nicht noch ſchlimmer, als es ſchon iſt.“

„Verlaßt Euch einmal auf mich, ich werde Euch als Verwandter und Freund zur Seite ſtehen.“

„Was gedenket Ihr zu thun?“

Ich weiß es ſelbſt noch nicht, aber ich werde den Mönch ganz ſicher bedienen; ich werde es überlegen und Der Herr Graf Oheim! wie eraötzt es mich jedesmal, ſo oft ich ihn, einen großen Staatsmann von dieſem Kaliber, für mich arbeiten laſſen kann! u⸗bermorgen werde ich in Mailand ſein und der Mönch ſoll auf die eine oder andere Weiſe bedient werden.“

Inzwiſchen kam das Frühſtück, durch welches die Beſprechung einer Sache von dieſer Wichtiakeit nicht unterbrochen wurde. Graf Attilio ſprach friſch von der Leber weg, und wiewohl er an dem ganzen Handel denjenigen Antheil nahm, wozu ſeine Freundſchaft für den Vetter und die Ehre des gemeinſchaftlichen Na⸗ mens, ſeinen Begriffen von Ehre und Freundſchaft ge⸗ mäß, ihn verpflichtete, ſo konnte er doch von Zeit zu Zeit nicht umhin, das Mißgeſchick ſeines Freundes ein

Die Verlobten. 1. 16