Dieſes Beſitzthum iſt mein, ſagte ich, und mein Vermögen iſt hinreichend, es mir dauernd zu erhalten. Ich wünſche, daß Mademoiſelle Charpentier, wenn ſie es will, hier verweile, und von den Zinſen meines Vermögens unter⸗ halten werde.
Was Dein iſt, wird Dir bleiben. Du haſt darüber zu beſtimmen, antwortete mein Vater. Haſt Du ſonſt noch irgend welche Wünſche oder Verpflichtungen, ſo nenne ſie.
Ich wünſche, daß man meine Frau hier in dem Garten unter den beiden Linden zur Ruhe bringe, ſagte ich, und der Gedanke, daß man ſie in die Erde legen, daß alle dieſe Schönheit und Holdſeligkeit vergehen werde, packte mich wie Wahnſinn an.
Mein Vater bemerkte das nicht.
Willſt Du ſonſt noch etwas? fragte er noch einmal, wie Jemand, der eine läſtige Sache ein⸗ für allemal beenden will. Willſt Du ſonſt noch etwas?
Nein, nichts! entgegnete ich.
So lebe wohl! ſprach mein Vater, und verließ das Gemach— und ich ſah ihn niemals wieder.
Ich ging in das Schlafzimmer, ich ſaß noch eine Weile an Claudinens Lager, ich ſah ſie noch zum letzten Male.
In dem Augenblicke, da ich mich aufraffte zu gehen, ſchlug die Uhr, und melancholiſch tönte ihre Melodie durch die Stille: Pes coeurs sensibles sont nés pour étre malheureus!
Es war die Todtenklage um mein Weib und um mein Kind, das mit ihm ſtarb.
Als ich ſie verlaſſen hatte, fuhr ich einſam und verwaiſt, ein Verſtoßener, ein Flüchtling, durch die Nacht dem Meere zu.
F
Achtzehntes Kapitel.
Damit endeten die Aufzeichnungen, welche das Jugendleben meines Groß⸗ onkels betrafen. Seine ſpäteren Tagebücher und Memoiren haben mit dem Seehofe nichts gemein. Aus einem Briefe ſeiner Mutter, der ſich unter ſeinen ſorgfältig geordneten Papieren fand, konnte man erſehen, daß er, als er in einem arbeitsvollen Leben mit ſich zur Ruhe gekommen war, ſich an die Mutter gewandt, und durch ſie eine Verſöhnung mit ſeinem Vater nachgeſucht hatte. Der Vater hatte ſich zu derſelben geneigt gezeigt, er hatte dem Sohne auch eine Unterſtützung an Geld angeboten, ihn in ſeinen Geſchäften vorwärts zu bringen, aber er hatte zejorbez, daß er nicht nach Hamburg zurückkehren ſolle,
Fanny Lewald, Der Seehof. 10


