um vergeſſene Ereigniſſe nicht in der Erinnerung ſeiner Mitbürger wach zu rufen. Dieſe Bedingung und dieſe Art der Verſöhnung waren von dem Sohne zurück⸗ gewieſen worden, und der Vater hatte danach jeden Verkehr mit dem Ausge⸗ ſtoßenen verboten, den die Mutter nie vergeſſen, den die Brüder beklagt und 3. auf deſſen Rückkehr ſie nicht verzichtet hatten. Später, als mein Urgroßvater geſtorben war, that man Schritte, den Ver⸗
ſtoßenen aufzuſuchen. Aber ſeine Mutter war nicht mehr am Leben, und eine 6 innere Erbitterung gegen ſeine Familie hatte in ihm Flatz gegriffen. Sie hatte 1 ihn bewogen, kein Zeichen ſeines Lebens auf die Aufforderungen zu geben, welche man erlaſſen. Erſt das milde machende Alter hatte ihm die Sehnſucht nach der Heimath, nach den Seinen, und dem Orte eingeflößt, an den alle ſeine Erinne⸗ rungen ihn gebunden hielten.
Wie es meinem Urgroßvater gelungen, die Vorgänge im Seehof, den Tod„ Claudinens und des Herzogs, den Nachforſchungen der Gerechtigkeit zu entziehen, 4 darüber fanden wir keine Auskunft irgend einer Art. Indeß in jenen Tagen allgemeiner Bewegung, in welchen Tauſende von Flüchtlingen in Deutſchland
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ein abenteuerndes Leben in wechſelnden Verhältniſſen führten, und bei dem An⸗ ſehen, welches unſer Ahnherr in der ganzen Umgegend, als Senator ſeiner Vater⸗ ſtadt, genoß, mochte er weniger Schwierigkeiten dabei gefunden haben, als es in unſeren ruhigeren Zeiten der Fall geweſen ſein würde.
Dagegen war eine Notiz vorhanden, daß die einzig Ueberlebenden der her⸗ zoglichen Familie, der zweite Bruder Claudinens und deren verwittwete Schweſter, zur Zeit des Kaiſerreichs in ihr Vaterland zurückgekehrt, die Leichen der im Seehof beerdigten Geſchwiſter nach Frankreich hatten bringen laſſen, um ſie in
der Familiengruft des Stammſchloſſes zur Ruhe zu beſtatten.
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Und damit mögen denn dieſe Erinnerungen an das Leben eines Mannes* 3 ſchließen, der uns thener war durch ſeines Herzens Milde, wie durch ſeinen klaren Sinn. Und der Ausſpruch, mit dem eine Jugendgeſchichte beginnt,


