Druckschrift 
Der Seehof / von Fanny Lewald. Mit 30 Ill. von Heribert König
Entstehung
Einzelbild herunterladen

139

als Tochter aufnehme in mein unbeſcholtenes Haus, wenn ich dem ſtrafbaren Leichtſinne eines Jünglings durch meine Billigung Vorſchub leiſtete. Aber, fügte ich hinzu, weil ich für Sie und für mich dieſes Aeußerſte zu vermeiden wünſche, weil ich meinem Sohne, der eben eine tödtliche Krankheit überſtanden hat, die Aufregung ſolcher Kämpfe erſparen möchte, habe ich dieſe Beſprechung mit Ihnen gefordert. Und wie Sie mir die Annahme des in meinen Händen befindlichen Kapitals anboten, zur Ausſtattung für meine Schwiegertochter, ſo biete ich Ihnen die gleiche Summe an, als Kapital für den Neffen oder für die Nichte, welche Ihre Schweſter Ihnen geben wird!

Der Herzog fuhr auf in heftigem Zorne; ich ließ ihn nicht zu Worte kommen.

Anerbieten gegen Anerbieten! Preis gegen Preis! ſagte ich, ſo iſt es Sitte unter den bürgerlichen Geſchäftsleuten, zu denen ich gehöre.

Des Herzogs Miene war ſehr finſter geworden, der leichtfertig hochmüthige Ton, mit welchem er die Sache Anfangs behandelt, war ganz verſtummt. Er wußte jetzt, mit wem er es zu thun hatte, er hatte ſeine Beleidigung zurückbe⸗ kommen, wir waren quitt! Das machte mich ruhig.

Sie beharren alſo bei Ihrem Vorſatze? fragte er endlich, Sie würden die Gerichte anrufen gegen die Frau Ihres eigenen Sohnes?

Ich würde, wie ich Ihnen ſagte, antwortete ich, nöthigen Falles die Ge⸗ richte anrufen gegen die Tochter des Herzogs von***, gegen Ihre Schweſter, welche meinen minderjährigen Sohn zu einer heimlichen Ehe verleitet hat!

Das koſtet Ihnen fraglos Ihren Sohn, wenn er kein Elender iſt! rief der Herzog.

Mein Sohn iſt eben fraglos für mich, für meine Familie und für meine Vaterſtadt verloren, wenn er der Gemahl Ihrer Schweſter bleibt. Unſere Sitten ſind Gottlob noch rein!

Der Herzog ging im Zimmer ein paar Mal auf und nieder.

Iſt Ihr Herr Sohn im Seehof? fragte er darauf.

Ich konnte dies verneinen.

Er beſann ſich dann noch eine Weile, und plötzlich mit ganz veränderter Haltung an mich herantretend, ſagte er:Ein Ausweg muß gefunden, der Name meines Hauſes darf nicht vor die Gerichte geſchleppt werden in ſolchem Handel! Sie mag ernten, was ſie geſäet hat, und da Sie es feſt verweigern, ſie in Ihre Familie aufzunehmen, ſo muß ein Kloſter ſie verbergen, ſobald es thunlich iſt. Aber ich bedarf Ihrer Mitwirkung für dieſen Zweck!

Als ich ihn auf ſolchem Punkte angelangt fand, ließ ſich weiter reden. Wir kamen überein, was zu thun nöthig, wie ſeine Schweſter vom Seehofe und aus dem Bereiche Emils zu entfernen ſei; und morgen gehen wir, Jeder für ſich, nach dem Seehof ab.