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das Klare mit mir kommen. Es ſchien mir unmöglich, daß mein Vater gegen
mich, den vom Tode Erſtandenen, gegen Claudinen, in dem Zuſtande, in wel⸗
chem ſie ſich grade jetzt befand, irgend etwas Feindliches unternehmen könne.
Ich war geneigt, von der Güte meiner Eltern jede Handlung der Vergebung
und der Großmuth zu erwarten. Ich hatte Stunden, in welchen jeder Schritt,
der auf der Treppe erſchallte, mich erzittern machte, weil ich meinte, mein
Vater werde kommen, mir die Geliebte, die Gattin zuzuführen; aber dieſe
Stunden waren ſelten, und ſobald ich im Stande war, die Feder zu halten,
ſchrieb ich Claudinen, daß ich umgehend Nachricht von ihr verlange, und ſandte
den Brief, jetzt, da ich nichts mehr zu verbergen hatte, durch einen reitenden
Boten, den mein Diener mir geſchafft, nach dem Seehof hinaus.
Meine Geſundheit war ſo weit hergeſtellt, daß meine Mutter nicht mehr
bei mir wohnte, und ich konnte alſo am folgenden Abende, als der Bote mir
die Antwort der Geliebten brachte, mich dem Entzücken über dieſelbe ungehin⸗
dert überlaſſen. Mit jener einfachen Anmuth, welche nur ſie allein beſaß, be⸗
ſchwor ſie mich, ohne Sorge um ſie zu ſein und nur an mich zu denken. Sie
ſei wohl und kräftig, nichts habe ihre Ruhe und ihre Einſamkeit unterbrochen,
meine Mutter habe ſich gegen Louiſen nicht unverſöhnlich gezeigt, mein Vater
habe nichts von ſich hören laſſen, ſie gebe ſich alſo Hoffnungen auf eine frohe
Zukunft hin, die ſie bisher nie zu hegen gewagt. Jeder Poſttag ſolle mir
Nachricht von ihr bringen, ſie aber bedürfe derſelben nicht, denn wenn ſie mich
dem Leben erhalten wiſſe, ſo ſei ich auch ihr und unſerer Liebe erhalten, und
mehr verlange ſie nicht.„
Der Brief, der meinem Herzen Ruhe gab, that mehr für mich, als alle
. Mittel meines Arztes. Ich denke noch mit Wolluſt an den ſanften Schlaf, der 5
mich die folgende Nacht erquickte, an die lieben Träume, welche mich wiegten, 6
an das wonnevolle Gefühl der Stärkung, mit dem ich erwachte. Als meine
Mutter mich gegen den Mittag beſuchen kam, zeigte ich ihr den Brief meiner
Frau. Sie zögerte Anfangs, ihn zu nehmen, dann trugen Neugier und An⸗ theil den Sieg in ihr davon, und ſie las denſelben, während ich mit Spannung
1 ihre Mienen überwachte. Indeß ihr Geſicht blieb ruhig, und den Brief auf
die Seite legend, ſprach ſie: Wie traurig, daß ſolche Liebe auf keinem reinen ₰ Boden aufgewachſen iſt, daß ich mich ihrer nicht für Dich erfreuen kann!. Ich wollte auffahren, aber ich unterdrückte es, denn ich hielt mir vor, daß ich auf Widerſtand gefaßt geweſen, daß ich meine Mutter zu ſchonen, und ihre Verzeihung für mich, ihre Theilnahme für uns zu erbitten hatte. Iſt's Dir nicht möglich, theure Mutter, ſagte ich in freundlicher Weiſe einlenkend, mir ein Glück zu gönnen, weil ich es nicht auf dem gewohnten Wege fand? Iſt's Dir 3
nicht möglich, Dich mit Schritten auszuſöhnen, welche Dir einſt Thränen des
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Antheils und der Bewunderung erpreßten, wenn die Helden der Dichtungen ſie N


