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Der Seehof / von Fanny Lewald. Mit 30 Ill. von Heribert König
Entstehung
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welcher Weiſe man mir Ruhe bereiten, und mich zu einem geregelten Leben führen könne, während ſie ſich der Härte anklagte, weil ſie mir nicht zärtlicher

begegnet ſei, mein Vertrauen nicht durch jedes Zugeſtändniß zu gewinnen ge⸗

ſucht, und mich nach ihrer Anſicht dadurch an den Rand des Grabes gebracht hätte, überlegte mein Vater, wie man erfahren könne, wer meine Geliebte ſei, und wie man ſie während meiner Krankheit bewegen könne, mich und den Ort zu verlaſſen, an dem ich ſie unterhielt. Er hoffte in der Schwäche der Geneſung Herr über meinen Willen zu werden und, wie er es nannte, dieſes Nervenfieber zu einer allſeitigen glücklichen Kriſis, zu einem Wendepunkte meines Lebens zu machen, nach welchem ich die Heirath ſchließen ſollte, die er ſeit Jahren für mich beſtimmt hatte. Denn er war nicht der Mann, ſeine Plane aufzugeben, oder irgend etwas Anderes für unbeſieglich zu halten, als ſeinen eigenen Willen.

Er hatte mit Zuverſicht darauf gerechnet, daß Briefe für mich eingehen würden, und ſich das Recht zuerkannt, die Briefe ſeines kranken Sohnes zu eröffnen. Aber es kamen keine ſolche an, denn ich hatte immer die Vorſicht gebraucht, ſie nicht unter meiner Adreſſe ſenden zu laſſen, und die Perſon, welche ſie für mich empfing, war angewieſen, ſie ruhig aufzubewahren, wenn ich nicht ſelbſt kam, ſie abzuholen. So entſchwanden drei Wochen, in welchen ich nichts von mir wußte, in welchen Claudine auf alle ihre Briefe keine Nachricht, keine Antwort von mir erhielt. Ihre Angſt ließ ihr endlich keine Ruhe mehr, und in der Verzweiflung ihres Herzens ſandte ſie Louiſen in die Stadt, um nachzu⸗ fragen, was geſchehen ſei, um durch die erprobte Gefährtin perſönliche Kunde von mir zu erhalten.

Die treue Louiſe war ſeit einem Jahre in jedem Monat einmal in meiner Wohnung geweſen, und immer unter dem Vorwande gekommen, mir irgend welche feine Arbeit zum Kaufe anzubieten, was damals in keiner Weiſe auf⸗ fallen konnte, da viele Emigranten aus allen Ständen ihr Leben durch ähnliche Induſtriemittel zu friſten gezwungen waren. Mein Hauswirth, mein Bediente kannten ſie, und ohne gehindert zu werden, gelangte ſie auch dieſes Mal bis in mein Vorzimmer. In den anderthalb Jahren, welche ſie in Deutſchland zu⸗ gebracht, war ſie, die im Seehof ausſchließlich mit den Leuten zu verkehren hatte, der deutſchen Sprache ziemlich mächtig geworden, und als ſie im Neben⸗ zimmer nach mir fragte, gab man ihr die Antwort, daß ich zum Tode krank, und eben erſt auf den Weg der Geneſung gekommen ſei, daß ich alſo ihr dieſes Mal nichts von ihren Arbeiten abkaufen würde.

Der Wärme wegen hatte man die Thüre des Vorzimmers ein wenig ge⸗ öffnet, und obſchon man nur flüſternd ſprach, vernahm mein durch die Krank⸗ heit geſchärftes Ohr doch den Ton der bekannten Stimme. Ich winkte mit der Hand, ohne zu bedenken, daß die Schirme, welche mein Bett umgaben,

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