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Der Seehof / von Fanny Lewald. Mit 30 Ill. von Heribert König
Entstehung
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die Außenſtehende dies Zeichen zu ſehen verhinderten. Meine Mutter aber, die an meinem Lager ſaß, fragte nach meinem Begehren, und ich verlangte, daß man die Fremde zu mir führen ſolle. Es war das erſte Mal, daß ich mich auf irgend einen Vorgang um mich her achtſam zeigte. Meine Mutter war höchlich darüber erfreut, doch zögerte ſie meinem Verlangen Folge zu leiſten, und erſt als ſie ſah, daß ihre Weigerung mich heftig aufregte, gab ſie mir nach.

Mit dem Ausdruck des höchſten Erſchreckens trat die bewährte Freundin an mein Lager, und wie mit einem Male kam jetzt die völlige, bewußte Er⸗ innerung an meine Lage, an meine Krankheit und an die Verlaſſenheit über mich, in welcher die unglückliche Claudine ſich befunden haben mußte.

Wie geht es ihr? rief ich mit matter Stimme, und alle meine Liebe und Angſt drängte ſich in die wenigen Worte zuſammen.

Gut, es geht uns gut! antwortete Louiſe mit der Geiſtesgegenwart, welche ſie nie verließ, aber Sie ſind krank geweſen, mein armer Herr, fügte ſie hinzu, und Sie dürfen noch nicht ſprechen. Ich werde wiederkommen!

Sie wollte ſich damit entfernen, ich hielt ſie bei der Hand zurück. Ob man jetzt mein Geheimniß entdeckte, war mir gleichgültig. Ja, ich ſehnte mich danach, Claudine dem Schutze meiner Mutter anzuvertrauen, da die Vorſtellung, die mir ſonſt ſchon in einzelnen lichten Momenten nahe getreten war, ich könne ſterben und mein Weib in fremdem Lande hülflos zurück bleiben, mich jetzt plötzlich lebhafter als je erfaßte.

Mutter, ſagte ich, ich bin verheirathet. Sie kommt von meiner Frau. Schneide mir eine Locke ab, damit Claudine ein Lebenszeichen von mir erhalte!

Gott im Himmel! rief meine Mutter, und ſchlug, wie es ihre Art war, er⸗ ſchreckend die Hände vor ihre Augen.

Mich aber focht das gar nicht an. Ich hatte nur das Verlangen, Claudinen meine Locke zu ſenden.

Schneide mein Haar ab! bat ich noch einmal, ſchneide mein Haar ab! wiederholte ich endlich ſo dringend, daß meine arme, beſtürzte Mutter mir will⸗ fahrte, obſchon die Hand ihr zitterte, mit der ſie's that. Als ſie mir die Locke reichte, ſtreifte ich einen Ring vom Finger, den ich immer trug, und ihn der guten Louiſe gebend, ſagte ich: Gehen Sie, bringen Sie ihr das, und ſagen Sie ihr, daß ich kommen werde, daß ſie leben ſolle, denn auch ich werde leben.

Ich hatte damit aber meine Kräfte erſchöpft, und unfähig, meine Gedanken länger zuſammen zu halten, verſank ich in einen Halbſchlaf, deſſen ich mir be⸗ wußt war, den ich aber nicht zu überwinden vermochte. Ich nahm es wahr, daß Louiſe ſich entfernte, daß meine Mutter ihr folgte, ich hatte eine unklare

orſtellung davon, daß dieſes Zuſammentreffen von großer Wichtigkeit für ſei, und mit jener Art von gleichgültiger Neugier, die man im Traume 3 allem Unwahrſcheinlichen gegenüber empfindet, dachte ich daran, was jetzt ge⸗