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geſehen, und nachdem ich alle möglichen Vorwände erſchöpft hatte, meine häufigen Entfernungen zu erklären, fing ich endlich an, ohne alle Erklärung fortzugehen.
Jeder, der ſich einmal in ſeinem Leben in einer Lage befunden hat, deren Zwieſpältigkeit ihn drückte, während er ſich verpflichtet hatte, vorläufig in derſelben nichts zu ändern, wird Anwandlungen eines ähnlichen fataliſtiſchen Trotzes empfunden und durchgemacht haben. Fern von meinem Weibe zu ſein, mein Daſein in lauter Heimlichkeiten hinzubringen, mein Kind wie einen Ba⸗ ſtard in der Verborgenheit geboren werden zu laſſen, das waren mir Schmerzen und Kränkungen, die mich immer ſchwerer drückten, die ich um jeden Preis von mir abzuwerfen wünſchte, nur nicht um den Preis von Claudinens Ruhe. Hundertmal hatte ich auf dem Punkte geſtanden, zu meinem Vater zu gehen und ihm zu ſagen: Ich habe ein Weib, und dieſes Weib iſt die todtgeglaubte Claudine, nehmt ſie als Eure Tochter auf, oder ich kann Euer Sohn nicht ſein! Und eben ſo oft hatte Claudinens Bitte, ihr den Frieden zu gönnen in der Zeit der Erwartung, mich davon abgehalten. Endlich kam ich zu jener tolldreiſten Stimmung und Handlungsweiſe, welche die letzte Ent⸗ ſcheidung des eigenen Schickſals, aus Verzweiflung und aus Schwäche, in die Gewalt des Zufalls legt.
Ich wollte mich nicht erklären, nicht verrathen, während ich doch in einer Weiſe handelte, daß mein Thun zum Verräther an mir werden konnte. Indeß wider mein Erwarten ſah man eine Weile meinem unregelmäßigen Erſcheinen im Geſchäfte und in meinem Vaterhauſe nur mit verſtecktem Tadel zu, und die Entſcheidung, welche ich in frevelndem Trotze ſo oft herbeigeſehnt, ſollte von einer anderen Seite über uns hereinbrechen.
Sechszehntes Kapitel.
Es war im Juni. Die Geburt unſeres Kindes ſtand im Laufe der nächſten Monate bevor, Claudinens Geſundheit war ſehr angegriffen und hatte Störungen mancher Art erlitten. Der Arzt aus dem nächſten Städtchen, den wir in Er⸗ mangelung eines beſſeren zu Rathe gezogen, hatte die größte Sorgfalt und Vorſicht für ſie empfohlen, ſie ſelbſt aber war zuverſichtlich und guten Muthes, und ſah mit rührender Mutterzärtlichkeit in die Zukunft, die ihrem Kinde an⸗ gehören ſollte.
Ich für mein Theil hielt mich mit großem Zwange in Hamburg und bei meinen Geſchäften zurück, denn ich hatte die Abſicht, ſpäter eine längere Ent⸗ fernung von Hauſe zu machen, um meiner Frau in der entſcheidenden Stunde nicht zu fehlen. Jeder Tag aber war mir in jenen Monaten eine Qual, jeder


