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Der Seehof / von Fanny Lewald. Mit 30 Ill. von Heribert König
Entstehung
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Ich verſtand nicht, was ſie damit meinte, ich bat ſie, ſich zu erklären, und ohne im Geringſten aus ihrem Gleichmaß zu kommen, ſagte ſie: Ich habe mich hier eingewohnt und eingerichtet, als ſollte ich hier für lange Jahre leben. Aber es iſt ein unabweisliches Gefühl in mir, daß meine Laufbahn nicht lang ſein wird. Die Uhr ſingt mir es in jeder Stunde vor: Les coeurs sensibles sont nés pour étre malheureux!

Ich ſprang auf, ich wollte das unheilvolle Geräth aus dem Zimmer entfernen, Claudine hinderte mich daran.

Laß mir die Uhr! bat ſie. Die Melodie iſt ſo ſüß, fuhr ſie fort, die Mahnung iſt ſo ſanft, und da der Zufall durch Louiſens Hand ſie mir bereitet hat, iſt ſie mir ſo werth geworden, wie den Frommen das Memento mori! Ich würde am Tage etwas vermiſſen, und in der Nacht nicht ſchlafen, ohne die leiſen, lieblichen Töne.

Es war vergebens, daß ich Claudinen aufmerkſam darauf machte, daß ſie nicht krank ſei, daß nichts ihren frühen Tod befürchten laſſe.

Ich werde auch noch nicht ſterben, jetzt noch nicht! tröſtete ſie mich. Allein ſollſt Du nicht bleiben in der Welt. Wenn ich Dir Dein Kind gegeben habe, dann werde ich hingehen, denke ich mir, und dann bringe das Kind zu Deinen Eltern. Ihm werden ſie vergeben, was ſie mir nie verzeihen können! Laß mich die Zeit der Erwartung in Ruhe und Frieden verleben; ich verlange das von Dir als den größten Liebesbeweis. Ueberlebe ich dieſe Zeit, nun, dann thue, was Dich befreit, und Alles ſoll mir recht, es ſoll mir nichts zu ſchwer ſein, was dann über uns kommt.

Ich konnte mich ſolchen Bitten nicht verſchließen, aber die Vorſtellung meiner Frau, daß ſie dem Tode geweiht ſei, zerriß mir das Herz, und ſie ſelber brachte mich, wenn ſie meine Trauer ſah, wieder davon ab. Indeß der Ge⸗ danke, ſie zu verlieren, wich nicht mehr von mir, und als wolle ich ſie und mich von demſelben losreißen, indem ich Plane und Maßregeln für eine weite Zukunft traf, kaufte ich im Frühjahre auf Claudinens Namen den Seehof an, den ich für einen ſehr geringen Preis erſtehen konnte, weil ſein Beſitzer ſich außerhalb Deutſchlands aufhielt, und der Sorge für das kleine Gut ent⸗ hoben ſein wollte. Wider mein Erwarten bezeugte Claudine eine große Freude über dieſe Nachricht. Sie war überhaupt munterer geworden. Sie ſchrieb mir, daß der Gedanke an ihr Kind ihr eine Sehnſucht zu leben einflöße, daß er ihr doppelte Luſt zur Arbeit gebe, und daß ſie ſich reich vorkomme in dem eigenen Hauſe, mit der Fähigkeit zu erwerben, die ſie in ſich kennen ge⸗ lernt habe.

Wie es aber zu gehen pflegt, überfiel die Beſorgniß um die Geliebte mich grade in dem Zeitpunkte, in welchem ſie von ihr gewichen zu ſein ſchien, mit dop⸗ pelter Stärke. Ich konnte keine Ruhe finden, wenn ich ſie eine Woche nicht