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Der Seehof / von Fanny Lewald. Mit 30 Ill. von Heribert König
Entstehung
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gazine, welches ich ihr angewieſen hatte, ihre Arbeiten zu verkaufen, neue Be⸗ ſtellungen anzunehmen, und die Erforderniſſe für dieſelben zu beſorgen. Sie ſprach dann in meiner Wohnung vor, um Nachrichten und Briefe zu bringen und zu empfangen, und Clandine hatte, ihre Sehnſucht nach mir abgerechnet, ſich in dieſe ſtille und arbeitſame Lebensweiſe ſo hinein gefunden, als hätte ſie niemals eine andere gekannt oder erſehnt.

Mir aber hatten das Verlangen nach ihrer Nähe und die Sorge um ſie nie Ruhe gelaſſen, und vollends jetzt, da ich ſie Mutter wußte, da man mich überreden wollte, eine andere Ehe zu ſchließen, ſchien es mir unerträglich, ſie länger in der Verborgenheit und fern von mir zu halten. Ich vertraute ihr alſo die Plane meiner Eltern, ich ſagte ihr, daß die Ankunft ihres Bruders in Hamburg zu erwarten ſtehe, daß es mir unmöglich ſcheine ihm zu begegnen, ſo lange ſie nicht neben mir als meine Gattin lebe. Ich ſtellte ihr alle Mög⸗ lichkeiten vor, die eine Entdeckung ihres Aufenthaltes und unſerer Ehe herbei⸗ führen konnten. Ich bewies ihr, daß die Länge der Zeit nichts dazu bei⸗ tragen würde, den Zorn meiner Eltern zu mildern, die Schwierigkeit unſerer Lage zu ändern. Ich gab ihr zu bedenken, daß es mir leichter ſei, den Kampf mit meiner Familie endlich zu beſtehen, als das geliebte Weib meiner freien Wahl zu verbergen, und das Daſein meines erwarteten Kindes wie ein Ver⸗ brechen zu verheimlichen.

Wir haben gefehlt, ſagte ich, indem wir uns beide dem Willen unſerer Familien entzogen, wir werden das, wenn wir es ihnen jetzt entdecken, in Tagen ſchwerer Zerwürfniſſe büßen müſſen; aber wir werden uns nicht mehr zu verbergen brauchen, und wenn man mich auf das Aeußerſte treibt, ſo werden wir Europa verlaſſen, um jenſeit des Meeres eine neue Heimath, ein Leben der Arbeit und der Sorge, aber in jedem Falle auch ein gemeinſames Daſein voll Liebe und voll Freiheit zu finden.

Claudine hörte mir freundlich und oft mit Rührung zu, wenn ich alſo zu ihr ſprach, indeß meine Worte vermochten ſie nicht zu überzeugen. Sie war unfähig, ſich meinem Verlangen nach vollem, ruhigem Glücksgenuſſe hinzugeben, oder gar auf einen zu hoffen, denn hier trat mir ihre religiöſe Anſchauung als unüberwindliche Schranke entgegen. Seit der Begegnung mit dem geiſtlichen Lehrer ihrer Jugend hatte der Gedanke an ihre Schuld ſie nicht mehr verlaſſen, und ſie fühlte ſich nicht berechtigt zu irgend einem vollen Anſpruche an das Leben und an ſeine Freuden. Was das Geſchick mir Gutes gönnt, ſprach ſie immer, nehme ich mit Dank als eine Gnade hin. Nach Beſſerem zu ſtreben halte ich mich nicht berufen, es würde eine Vernunftloſigkeit von mir ſein. Ich liebe Dich, ich bin hier in Ruhe, warum ſollte ich Dich alſo in Kämpfe verwickeln, deren Ausgang zweifelhaft, und für mich ſelber vielleicht ohne alle Bedeutung iſt?