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und rund umher herrſchte in Garten und Feld eine ſo rüſtige Thätigkeit, ein ſo erſichtliches Gedeihen, daß der melancholiſche Hauch, welcher über den Zimmern des Onkels lag, doppelt fühlbar dadurch wurde, daß die klagende Melodie der Romanze, welche die Spieluhr noch immer durch die Zeiten ſang, nur um ſo rührender tönte. 3
Aber hier ſo wenig als damals in Paris erwähnte er ſeiner Jugend, und obſchon er an den Schickſalen der einzelnen Familienglieder herzlichen Antheil nahm, obſchon er ſich um die kleinſten Vorgänge im Leben ſeiner Arbeiter väterlich ſorgend bekümmerte, obſchon jeder, der ſich an ihn wandte, auf ein achtſames Gehör und ſo weit als möglich auf ſeinen Rath und ſeinen Beiſtand rechnen durfte, ſchien ihn eine heilige Scheu vor jeder Enthüllung ſeines Innern zurückzuhalten. Das war um ſo auffallender, da er, wie geſagt, von ſeinen ſpäteren äußeren Erlebniſſen gern und viel erzählte, ganz vortrefflich ſprach, und entſchieden liebebedürftig war.
Seine Lebensweiſe war eine ſehr regelmäßige. Er ſtand früh mit ſeinen Arbeitern auf, und die Zeit bis zum Mittage ſeiner Leute brachte er immer mit und unter ihnen zu. Dann nahm ihn eine weitverzweigte, theils geſchäft⸗ liche, theils freundſchaftliche Correſpondenz in Anſpruch, und die Stunden, welche ſeiner Mahlzeit vorangingen, das heißt von drei bis ſechs Uhr, pflegte er mit Lectüre oder mit botaniſchen Studien auszufüllen. Von der Mahlzeit ab gehörte er dann ſeinem Gaſte, da er ſtets Einen oder den Andern ſeiner Verwandten bei ſich hatte; und was dann die Lage des Seehofes irgend An⸗ genehmes gewähren konnte, das wurde aufgeboten, den Gaſt zu vergnügen. Spät, wenn Alles im Hauſe die Ruhe ſuchte, ließ der Onkel ſich im Salon noch die Kerzen auf einem kleinen eingelegten Schreibpulte anzünden, den er am Tage niemals benutzte, und dann pflegte er noch einige Stunden zu wachen und zu ſchreiben, wenn Alles ſchlief und Nichts um ihn lebendig war, als die Erinnerungen ſeines Lebens, an deren Aufzeichnung er an dieſem Schranke arbeitete.
In dieſer Weiſe hatte er noch faſt zehn Jahre auf dem Seehofe gelebt, ein Menſchenfreund in der edelſten Bedeutung des Wortes, als ein ruhiger Tod den faſt Achtzigjährigen dahin nahm. Meilenweit in die Runde hatte ſein Einfluß ſich geltend gemacht, und ohne daß er irgend welchen beſtimmten ſocialen oder philantropiſchen Ideen gefolgt wäre, hatte er, indem er einfach mit Rath und That zu Hülfe kam, wo eine Hülfe nöthig war, auf die Kultur des Landes und auf die Lage ſeiner Bewohner höchſt weſentlich und vortheilhaft gewirkt. Der Seehof aber war in ſeinen Händen zu einer werthvollen Beſitzung geworden, welche er meinem Bruder vererbt hat, in deſſen Armen er geſtorben iſt, und den er zu entſchädigen wünſchte für die Opfer, welche unſer Vater und mein Bruder auf die Erhaltung des Seehofs verwandt.
Mein Bruder wurde damit auch der Erbe ſeiner Papiere. Was ſich in


