Einrichtung der Gärten und des Treibhauſes übernehmen ſollte, und als die Kälte des Winters herankam, hatte er ſich eine behagliche Heimat und eine neue Thätigkeit geſchaffen, da er einer ſolchen nicht entbehren konnte. Schon im Laufe des erſten Jahres kaufte er einige Morgen Land dazu, und als er mich etwa achtzehn Monate nach unſerm erſten Begegnen aufforderte, ihn zu beſuchen, konnte er mit Fug und Recht von ſich fagen, daß ich zwar nur zu einem Arbeiter, aber zu einem ſolchen kommen würde, der Freude an ſeiner Arbeit habe.
Erſt den zweiten Sommer nach der Rückkehr des Onkels Emil, wie man ihn in der Familie nannte, wurde es mir möglich, nach Deutſchland zu gehen und der Einladung nach dem Seehof zu folgen. Ich fand denſelben aber ſo verändert, daß ich über die große Thätigkeit des jetzt faſt ſiebenzigjährigen Mannes nicht genug erſtaunen konnte.
Schon die Straße, welche dahin führte, war den Poſtillonen jetzt nicht mehr unbekannt. Neue Wegweiſer zeigten ſie dem Wanderer, und es waren Gewerbtreibende und Nothleidende genug vorhanden, welche gelernt hatten, dieſen Weg zu gehen. Das Haus war völlig hergeſtellt, die verfallene Stuckatur⸗ arbeit dauerhaft ergänzt. Schon von Weitem ſah man die bedeutenden Treib⸗ häuſer, welche ſich an das alte, kleine Treibhaus anſchloſſen, und zur anderen Seite des Gebäudes waren kleine, artige Häuschen für die Gartenarbeiter und verſchiedene Wirthſchafts⸗Gebäude erſtanden, während wir, ehe wir den Seehof erreichten, ſchon eine ganze Strecke zwiſchen Garten⸗Anlagen hinzufahren hatten.
Vor der Thür des Seehofs nahm der Onkel mich in Empfang, und auf meinen Ausruf, daß ich das Gut nicht wiedererkenne, daß er hier in der kurzen Zeit faſt Unwahrſcheinliches geleiſtet habe, ſagte er mit heiterer Ruhe: Vorwärts zu kommen, das lernt man drüben in America, wo man ſo oſt genöthigt iſt, das Haus erſt zu zimmern, in dem man übernachten will; und dieſe Gewohnheit, raſch vorwärts zu gehen, kommt dann dem Alter ſehr zu Statten, das doch auch noch etwas ſchaffen möchte, und nicht viel Zeit dafür übrig hat.
Auch im Innern des Hauſes war Alles hergeſtellt, ohne daß man jedoch in den Roecoco⸗Zimmern eine Neuerung vorgenommen hätte. Man hatte nur das Schadhafte ergänzt, und ſie ſprachen mich daher als ein Altbekanntes an. Der Onkel hatte ſeine eigentliche Wohnung in dieſem Salon und in dem Schlafzimmer daneben. Die Stube, in welcher die Wiege geſtanden, war in
eine Arbeitsſtube für ihn verwandelt worden, zu der man vom Flur aus den Zutritt hatte, und auf der anderen Seite des Hauſes, welches Mademoiſelle Dubois inne gehabt, waren ein Eßzimmer und ein paar Fremdenſtuben einge⸗ richtet, hinter denen ſich das Wirthſchafts⸗Gelaß befand. Ein alter Diener, den der Onkel aus Amerika mit ſich gebracht, und die Haushälterin von
Mademviſelle Dubois, welche er zu ſich genommen, überwachten das Hausweſen,


