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Der Seehof / von Fanny Lewald. Mit 30 Ill. von Heribert König
Entstehung
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Drittes Kapitel.

Mein Verkehr mit meinem Großonkel währte damals etwa eine Woche, während welcher wir eine herzliche Zuneigung zu einander faßten. Er war ein Mann von klarem Verſtande und von reicher Erfahrung, und eben darum von großer Duldſamkeit und Milde. Da ſeine reife Jugend in die Zeit der erſten franzöſiſchen Revolution gefallen, und er überhaupt von ſeiner Mutter in den ſchwungvollen Ideen jener Zeit erzogen worden war, hatte er ſich die Theilnahme für alles Menſchliche, Gute und Vernünftige bewahrt, die man bei den Jüngern jener Epoche zu finden pflegte; und ſein Leben in den freien Staaten Nordamerica's hatte den edeln Sinn der geſunden Vernunft, der alle Lehren der Gerechtigkeit und Menſchlichkeit nur als vernünftig anerkennt, auf das höchſte in ihm ausgebildet. Er war dabei aber gar nicht geneigt, Doctrinen aufzuſtellen oder über Theorien zu ſtreiten, eben weil ihm das Vernünftige natürlich und nothwendig erſchien, und er das Unvernünftige nicht der Rede werth hielt..

Von ſeinen Erlebniſſen in America, von der Mühe, welche er gehabt, ſich Anfangs durch die Welt zu bringen, von ſeinen Erfolgen, wie von den bedeu⸗ tenden Perſonen, welche er in America kennen gelernt, redete er gern und gut. Von der Zeit ſeiner Jugend, welche ſeiner Flucht vorangegangen war, ſprach er nie ein Wort. Seine Erkundigungen nach der Heimath beſchränkten ſich fortan nur auf die noch lebenden Familienglieder und auf den Seehof, und als wir uns in Paris trennten, ſagte er mir, daß er geſonnen ſei, den Seehof zu bewohnen, das dazu gehörende Land in einen Garten zu verwandeln, und daß er ſich freuen würde, wenn ich ihn in Jahr und Tag beſuchen käme, um zu ſehen, was er dort geſchaffen haben würde.

Dieſe unerwartete Rückkehr des Onkels machte natürlich das höchſte Aufſehen in der Familie. Er war eine Zeit hindurch der Gegenſtand einer allgemeinen, unruhigen Theilnahme, bis die Verwunderung ſich ſchnell in Zutrauen und in Neigung verwandelte, und Alle es ſehr zufrieden waren, den trefflichen Greis noch zu beſitzen. Mein Bruder, der am meiſten mit ihm zu thun hatte, rühmte die Leichtigkeit und Feinheit, mit welcher er alles Geſchäftliche behandelte, das zwiſchen ihnen wegen des Seehofs abzumachen war, und nachdem der Greis ſo lange in Hamburg verweilt, als nöthig war, die ganze Familie dort kennen zu lernen, fuhr er nach dem Seehof hinaus, den er zu ſeinem Wohnſitze auserſehen.

Im Laufe des Sommers und des Herbſtes kam er mehrmals nach der Stadt. Er hatte Beſtellungen und Einkäufe zu machen, um ſein Haus und die Wirthſchaft auf einen ſchicklichen Fuß zu bringen. Er nahm Handwerker hinaus, engagirte einige Gartenarbeiter und einen Gärtner, der unter ſeiner Leitung die