deſſen, was mein Erbtheil hätte ſein können, jetzt es zu beanſpruchen, wäre thöricht für den Einſamen, der kein Mißgefühl erwecken möchte, wo er Theil⸗ nahme zu erregen und liebenden Antheil zu nehmen gekommen iſt.
Wir blieben den ganzen Morgen ruhig beiſammen. Am Nachmittage machten wir einen Spaziergang durch die Straßen, und ich konnte mich nicht erwehren, ihm zu ſagen, wie märchenhaft es mir ſei, wie es mich ein Traum bedünke, daß ich mit ihm, dem Todtgeglaubten, hier im fremden Lande luſt⸗ wandeln gehe.
Es kann Dir nicht traumhafter ſein, verſetzte er nachdenklich, als es mir der Anblick von Paris geweſen iſt, da ich es nach einem Zeitraume von ſo langen, langen Jahren wiederſah.
Sie haben es alſo früher beſucht?
Als ich es verließ, ſagte er im eigenen Rückerinnern, war man mitten in der Bewegung der Revolution. Welche Zeit der Hoffnungen, welche Zeit der Sorge, der Angſt, der Enttäuſchung!
Er brach ab, ich konnte ſeinem Gedankengange nicht deutlich nachkommen, und er ſelbſt wandte die Unterredung auf näher liegende Dinge. Wir hatten während deſſen das Portal des Hauſes erreicht, in welchem ich wohnte, der Onkel wollte ſich von mir trennen. Er logirte unfern in einem Gaſthofe, ſo daß wir einander leicht erreichen konnten, und ich fragte, wann wir uns am nächſten Tage wiederſehen würden. Während er dies überlegte, zog er, wie man das oft unwillkürlich thut, wenn man an eine Zeitbeſtimmung denkt, die Uhr aus ſeiner Taſche, und indem er auf das Zifferblatt ſchaute, erblickte ich auf der Rückſeite der ganz altmodiſchen, aber koſtbar in Brillanten gefaßten Uhr ein weibliches Bildniß.
Ach, die Prinzeſſin! rief ich unwillkürlich aus.
Der Onkel hob den Kopf empor und ſah mich an. Was weißt Du von ihr? fragte er in einem Tone, der faſt ſtreng zu nennen war, und der mich verwirrte oder erſchreckte, daß ich mir wie ein Kind vorkam, welches ſich über einer unerlaubten Handlung ertappt fühlt.
Ich habe einmal dieſes Portrait, das heißt ein Bild dieſer Frau, bei der Urgroßmutter geſehen, und ſie hat mir geſagt, daß es eine franzöſiſche Prin⸗ zeſſin ſei.
Und wo iſt dieſes Bild jetzt? fragte der Onkel lebhaft weiter.
Ich beſitze es! gab ich ihm zur Antwort. Er ſtand einen Augenblick in Gedanken, als ob er weiter ſprechen wollte; aber er erwiderte nichts auf meine Antwort und wir trennten uns, nachdem wir eine S für den nächſten Morgen getroffen hatten.
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