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Da ich nun auf dieſe Weiſe erfahren hatte, daß er in America gelebt, wagte ich endlich die Frage, wie es möglich geweſen ſei, daß durch jene Hamburger nicht auch irgend eine Kunde von ihm zu ſeinem Vater oder ſpäter zu ſeinen Geſchwiſtern gekommen ſei.
Laß das ruhen für heute! antwortete er mir. Es findet ſich bald die Zeit, von mir zu reden, obſchon ich's nicht gewohnt bin. Ich habe gelernt, allein zu leben und zu ſchweigen.
Ich fragte, ob er verheirathet ſei. Er verneinte das kurz, und wollte dann wiſſen, ob ich von dem Seehof gehört, den er einmal beſeſſen habe, und was aus demſelben geworden ſei.
Ich gab ihm die gewünſchte Auskunft, erzählte von unſerm Beſuche im Seehof, von dem Zuſtande, in welchem wir die Dinge dort gefunden, von den Vorkehrungen, welche mein Bruder für die Erhaltung des Beſitzes getroffen hatte, und von dem Ableben der alten Franzöſin, die dort hausgehalten.
Der Onkel ſchien hingenommen von den Erinnerungen, welche meine Erzäh⸗ lung ihm erweckte, und ſehr ergriffen von dem Tode dieſer Frau⸗
Ich wußte es, ſagte er, daß ſie kaum noch leben konnte, und doch habe ich mich oftmals der Hoffnung nicht erwehren mögen, dieſes treue Geſchöpf noch wieder zu finden, deſſen Namen ich in den Tagen meines Glückes, wie in der Trauer und in der Einſamkeit meines Exiles geführt, und der mir ſo zur Ge⸗ wohnheit, mir ſo zu eigen geworden iſt, daß ich Mühe habe, darauf zu achten, wenn man mich jetzt wieder mit unſerm Familiennamen anſpricht.
Durch ſolch zufällige Aeußerungen erfuhr ich im Laufe der Mahlzeit einzelne Thatſachen, die ſich mehr und mehr verknüpfen, und mich deutlichere An⸗ ſchauungen von ſeiner Vergangenheit und von ſeinem Schickſale gewinnen ließen. Er war unter dem Namen Dubois nach Nordamerica geflüchtet, als er Europa verlaſſen, hatte dort, wie es ſchien, Jahre eines mühſamen Erwerbes durch⸗ gemacht, dann war er, da er von Jugend auf ein Blumenfreund und tüchtiger Botaniker geweſen, auf den Gedanken gekommen, eine Gärtnerei zu errichten
und Handelsgärtner zu werden, was ihm eingeſchlagen ſein, und ihm eine
auskömmliche Exiſtenz bereitet haben mußte. Reich war er nicht, wie er ſagte, aber völlig ſorgenfrei, und in der Lage, wohl auch einem Hülfsbedürftigen zu Hülfe kommen zu können. Als ich ihm die Bemerkung machte, ob er keinen Anſpruch an ſein väterliches Erbe erheben könne, ſchüttelte er verneinend das Haupt.
I†ch bin nicht zurückgegangen, als mein Vater ſtarb, ſagte er, und fügte dann halb ſchmerzlich, halb ſpottend hinzu, während eine leichte Wolke über ſeine edle Stirn flog: Was ſollte der Phantaſt, der Verbrecher, unter Menſchen, die ihn verdammten!— Und jetzt— da mehr als ein Menſchenalter darüber hingeoangen iſt, jetzt da Kinder und Enkel ſich eingelebt haben in den Beſitz


