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Der Seehof / von Fanny Lewald. Mit 30 Ill. von Heribert König
Entstehung
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wiſſen thäte die Mamſell auch jetzt noch ſehr gut. Sie ſei vorhin nur zu ge⸗

rührt geweſen, aber wenn wir uns jetzt zu ihr begeben wollten, würde es

beſſer gehen.

Wir nahmen alſo das kleine Frühſtück ein, und ſuchten die Greiſin in ihrer Stube auf, die ſauber und wie die Wohnung einer Pächterfamilie anzuſehen wer. Ohne ſich irgend wie auf die Vergangenheit einzulaſſen, erklärte mein Bruder ihr, er ſei der Sohn der hamburger Herrſchaft, und ſei gekommen, zu hören, ob ſie irgend welche Bedürfniſſe oder Wünſche habe. Sie verſtand das auch vollkommen, dankte und zeigte ſich erfreut, ihm, wie ſie es nannte, ihre letzten Dispoſitivnen anvertrauen zu können.

Auf ihr Verlangen mußte ich aus einer Schieblade, welche ſie mir bezeich⸗ nete, das Teſtament hervorſuchen, und mein Bruder es eröffnen. Es war an unſeren verſtorbenen Großvater adreſſirt, und kurz vor deſſen Ableben, alſo nahezu vor fünfzehn Jahren verfaßt. Sie dankte darin, daß man ihr das Ge⸗ halt, welches Herr Emil ihr feſtgeſetzt, bis an ihr Ende gelaſſen habe, ſprach von ihrer Haushälterin, die ſie wirklich zur Erbin eingeſetzt hatte, wie von einem jungen Mädchen, und überſandte dem Großvater zugleich einen Brief von der Handſchrift meines Großonkels Emil, der franzöſiſch geſchrieben an Mademoiſelle Louiſe Dubvis im Seehof adreſſirt war, und alſo lautete:Ich will, meine liebe Dubvis, daß nichts in dem Hauſe geändert werde, an das alles Glück und Leid meines Lebens geknüpft iſt. Sage das meiner Mutter, der Einzigen, die mich nicht verdammt hat und die ich anflehe, mir dieſes Eigenthum durch ihren Einfluß zu erhalten. Sie wird auch für Dich Sorge tragen. Bleibe im Seehof, denn ich werde wiederkehren, um einſt meine Ruhe⸗ ſtätte da zu ſuchen, wo ich das Glück meines Lebens genoſſen habe.

Der Brief erſchütterte uns in ſeiner Kürze. Er war aus Amſterdam vom vierten November des Jahres ſiebenzehnhundert dreiundneunzig datirt. Wir hatten die Handſchrift des Großonkels nie geſehen, und die wenigen vergilbten Zeilen gewährten uns plötzlich einen ahnungsvollen Einblick in ſein Schickſal.

Auf unſere Frage, ob Mademoiſelle Dubvis unſere Urgroßmutter gekannt hätte, antwortete ſie verneinend. Es ſei nie Jemand von der Familie des Mon⸗ ſieur Emil hier geweſen, als einmal ſein Vater mit dem Herrn Herzoge. Aber kaum war ſie auf dieſe Erinnerung gekommen, als ſie wirr durch einander zu ſprechen anfing, ſo daß wir uns bald überzengen mußten, daß ihre Gedanken nur noch das Nächſte zuſammen zu halten im Stande waren, und daß wir über die Vergangenheit dieſes Hauſes und ſeiner Bewohner nichts Sicheres von ihr zu hören hoffen konnten.

Mein Bruder nahm alſo, wie ſie es wünſchte, ihr Teſtament, einige nicht werthvolle Schmucknadeln und Ringe und die Documente an ſich, die ihren Beſitz ausmachten, der ſich auf etwa fünfzehnhundert Thaler belief, und ver⸗