unſerer größten Erbaunng zu ſingen pflegte, als das Spielwerk nach zweimaliger Wiederholung der Melodie das ſanfte Nachſpiel erklingen ließ und dann mit plötzlichem Abbrechen verſtummte.
Ich war förmlich gerührt worden, meinem Bruder aber wurde es des Wunderſamen und Unverſtandenen zu viel, und als in dem Angenblicke die Haushälterin zurückkam, uns in einem ganz altmodiſchen Dejeneur⸗Service mit kleinen Taſſen, Kaffee und Brod und Butter vorzuſetzen, als das Einzige, was ſie zu bieten hätte, nahm mein Bruder die Gelegenheit wahr, ſie über Made⸗ moiſelle Dubvis auszufragen. Was ſie wußte, war jedoch nicht weſentlich mehr, als wir hier durch den Augenſchein erfahren hatten.
Schon die Mutter der Haushälterin hatte hier gedient, und dieſe ſelbſt war in dem Hauſe aufgewachſen. Sie ſagte, ſo viel ſie gehört, ſei die Mamſell, mit welchem Namen ſie Mademoiſelle Dubois immer ſchlechtweg bezeichnete, mit einer vornehmen Herrſchaft aus Frankreich hiehergekommen, die hier geſtorben, und deren Körper man mit großen Koſten nach Frankreich zurückgebracht habe. Als aber die Mutter der Haushälterin bei der Mamſell in Dienſt getreten, wäre die Herrſchaft ſchon todt, und Alles grade ſo geweſen wie jetzt.
Mein Bruder wollte wiſſen ob Land zu dem Hauſe gehöre und wie dieſes verwaltet würde. Die Haushälterin antwortete, es wäre ein Gemüſegarten da und ein paar Morgen Acker. Sie hätten zwei Kühe, mäſteten auch immer ein paar Schweine. Der Knecht habe den Acker beſtellt, den Garten bearbeitet und das Vieh in Acht genommen. Etwas Federvieh habe ſie alle Jahre gezogen. Das Getreide und das Gemüſe, welches man erübrigen könne, wäre immer im nächſten Flecken verkauft worden; die Mamſell habe von auswärts regelmäßig Geld bekommen, und einige Male auch größere Sendungen von unbekannter
Hand, ſo daß ſie wohl etwas Erkleckliches beſitzen müſſe. Sie hätte der Wirth⸗
ſchafterin lange ſchon verſprochen, daß ſie ihre Erbin werden und ihre Kleider und all ihr Geld und Gut erhalten ſolle. Vor langen Jahren, als die Mamſell noch ganz rüſtig und bei Kräften geweſen ſei, habe ſie das auch aufgeſchrieben, und das Teſtament liege drüben, wo ſich überhaupt alles befinde, was der Mamſell gehöre. Was hier in dieſen Zimmern, in den Schränken und Com⸗ moden liege, gehöre nicht der Mamſell zu. Dieſe habe vielmehr ausdrücklich befohlen, die Haushälterin möge in den guten Zimmern die Gegenſtände ſorg⸗ fältig bewahren, weil ſie einer Herrſchaft in Hamburg zukämen, der man einmal ihr Teſtament ſchicken ſolle, und die dann kommen und Alles in Ordnung bringen und Jedem das Seine geben werde.
Wir wollten wiſſen, ſeit wie lange Mademoiſelle Dubvis ſich in dieſem Zu⸗ ſtände der Geiſtesſchwäche befinde. Die Haushälterin vermochte das nicht
genau zu ſagen, wie denn Ungebildete ſelten klare Begriffe über den Verlauf
der Zeit beſitzen. Es ſei ſo allmählich gekommen, meinte ſie, und von ſich
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