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Der Seehof / von Fanny Lewald. Mit 30 Ill. von Heribert König
Entstehung
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ſcheibenloſen Fenſtern Luft, Regen und Sonne ſeit Menſchenaltern hier freien Zutritt gehabt, ſo war der Fußboden mit allem möglichen Unkraut überwuchert, und vor Allem hatten in der Feuchtigkeit und unter dem Schutze der Mauern die Blätter des wilden Meerrettigs eine faſt tropiſche Kraft und Größe gewonnen.

Als wir die Thür des Treibhauſes öffneten, das ſeit langen Jahren Nie⸗ mand betreten haben mußte, denn die Bänder der Thür waren in den Angeln faſt eingeroſtet und ließen ſich nur mit großer Anſtrengung bewegen, flogen ganze Schaaren von Vögeln in die Höhe, die hier in der Sicherheit ihre Neſter gebaut hatten, und rings um uns her ſang und zwitſcherte es von allen Ecken hernieder. Ein paar Eidechſen ſchoſſen blitzſchnell auf den Fenſterrahmen dahin, überall kam etwas Lebendiges zum Vorſchein, während unſer Fuß ſich von dem Geranke am Boden gehalten und gefangen fühlte. Dieſes wilde, üppige Natur⸗ leben bildete einen auffallenden Contraſt gegen die ängſtliche Aufbewahrung der lebloſen Dinge in der ſchweigenden Wohnung, und als bei unſerer Rückkehr in die Stube die Stutzuhr auf dem Spiegeltiſche die Mittagsſtunde ſchlug, und dabei mit leiſem Glockenſpiel eine alte franzöſiſche Romanze zu erklingen begann, ſtanden wir befangen und lauſchend da, als wären wir in einen verzauberten Bezirk gerathen. Wir kannten Beide die alte Melodie, und unfähig, das leiſe Singen der Uhr durch unſer Geſpräch zu unterbrechen, wiederholte ich mir in meinem Innern unwillkührlich den Tert dieſer ſanften Florian'ſchen Romanze, welche im vorigen Jahrhundert von Frankreich aus den Weg durch die Welt, und das Entzücken unſerer Aeltermütter gemacht hatte:

A Poulouse il fut une belle, Clémence Isaure était son nom;

Le beau Lautrec brüla pour elle

Pt de sa foi recut le don.

Mais leurs parents trop inflexibles Sopposaient à leurs tendres feux, Ainsi tousjours les coeurs sensibles Sont nés pour étre malheureux.

Alphonse le père d'Isaure

Veut lui donner un autre époux, Fidéèle à l'amant qu'elle adore

Sa fille tombe à ses genoux: Ah! que plutét votre colère PTermine des jours de douleur! Ma vie appartient à mon pöére

A Lautrec appartient mon coeur!

So weit war ich in meiner ſtillen Recitation gekommen, und mir ſelbſt waren dabei die Tage meiner erſten Kindheit lebendig geworden, in welchen unſere alte Franzöſin uns mit heiſerer Stimme dieſe vielſtrophige Romanze zu