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Der Seehof / von Fanny Lewald. Mit 30 Ill. von Heribert König
Entstehung
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cholie ſelbſt die ſtrahlende Frühlingsſonne nicht zu zerſtören, oder auch nur zu erhellen vermochte, die heiß und leuchtend bis mitten in das Zimmer hinein⸗ ſchien, und den Duft des ſtarken, friſchgefüllten Potpourri faſt betänbend machte.

Es war ein ſonderbarer gemiſchter Eindruck, den man hier empfing. Traurig und geheimnißvoll, rührend und ſpukhaft zugleich, konnte man ſich ihm nicht entziehen, und wir befanden uns wie unter einem Banne, als die Thür, durch welche wir eingetreten waren, ſich öffnete und die Haushälterin und der Knecht Mademoiſelle Dubois, die Bewohnerin des Hauſes und die langjährige Penſionairin unſerer Familie hineinführten, um ſie auf einen der Lehnſtühle am Kamine niederzuſetzen, denn ſie konnte ſich ſelbſtſtändig nicht mehr auf den Füßen halten.

Wie alt ſie ſein mochte, war ſchwer zu beſtimmen, doch mußte ſie an den äußerſten Grenzen des Lebens ſtehen. Ihr Kopf war tief auf ihre Bruſt ge⸗ ſenkt, ihr Körper, der niemals groß und ſtark geweſen ſein konnte, war von der Laſt der Jahre zuſammengebengt und gekrümmt, ihre faltigen, mageren Hände, ihr Geſicht hatten eine bräunliche Mumien-Farbe bekommen, und ſelbſt ihre dunklen Augen ſchienen ſchon umſchleiert zu ſein. Dennoch hatte ihr Erſcheinen nichts Unangenehmes, denn ſie war in ihrer ganz altmodiſchen Tracht, mit dem weißen Kopftuche und weißen Bruſttuche, mit dem Kleide von dunkelem Kattun, aus deſſen engen, kurzen Aermeln die verdorrten Arme hervorſahen, noch ein Muſter von Sauberkeit; und ſie ſchien, nach der Sorgfalt, mit welcher man ſie behandelte, auch noch immer eine Herrſchaft über die Perſonen auszuüben, welche ihr dienten.

Als ſie eintrat, hob ſie den Kopf ein wenig in die Höhe, taſtete ſuchend mit den Augen umher, und als man ſie dann niedergeſetzt und ſie uns wahr⸗ genommen hatte, ſprach ſie mit zitternder Stimme in vortrefflichem Franzöſiſch: Ah, ich wußte es wohl, daß Sie kommen würden, daß Sie kommen würden, mein Herr! mir die Augen zu ſchließen. Aber es war wohl Zeit, denn ich bin ſehr alt, ſehr alt.

Hatten wir vorher nicht gewußt, was wir denken ſollten, ſo wußten wir es jetzt vollends nicht. Es ſchien aber, als ob die arme Alte, die uns zu Ehren wohl ihre Kleidung geändert hatte, von Kälte litte, und mein Bruder befahl, trotz der Wärme, die im Zimmer herrſchte, ein Feuer im Kamine anzumachen. Sie ſah das gern.

Oh, Sie ſind immer noch der Alte, Monſieur Emil! rief ſie: immer gut! immer verbindlich! und es iſt wahr, es iſt kalt hier! Es kommt Niemand in die Zimmer Ihrer Hoheit! Ich ſelbſt wage nicht hineinzugehen, ſeit... Sie unterbrach ſich und fügte daun in Thränen ausbrechend hinzu: Welche Er⸗ innerungen! Welche Erinnerungen!

Das wird ja ein vollſtändiges Abentener! ſagte mein Bruder leiſe, zu mir