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Der Seehof / von Fanny Lewald. Mit 30 Ill. von Heribert König
Entstehung
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gewandt. Was iſt denn hier vorgegangen? Und ſich zu der Alten nieder⸗

ſetzend, fragte er, um wo möglich irgend welche Aufſchlüſſe über die Räthſel zn erlangen, welche uns hier von allen Seiten umgaben: Aber weshalb benutzten Sie dieſe Zimmer nicht, da Niemand ſonſt ſie bewohnte?

In dem Augenblicke loderte das Feuer im Kamine auf, das die Dienerin angezündet hatte, und wie von einem Entſetzen erfaßt, ſtöhnte die Greiſin: Ach, machen Sie das Feuer aus! Es hat kein Feuer hier gebrannt, ſeit die Leichen hier geſtanden haben! Gehen Sie! Flüchten Sie, Monſieur Emil, damit Sie Sich erretten, denn die Todten ſind doch todt!

Sie rang die mageren Hände, die Dienerin fragte erſchrocken, was geſchehen ſei, da ſie das Franzöſiſche nicht verſtand, und weil die Greiſin durch den An⸗ blick des Zimmers oder durch unſer Kommen gar zu ſehr erſchüttert zu werden ſchien, ſo befahl mein Bruder, man ſolle ſie in ihre Stube zurück führen, und bat zugleich die Haushälterin, wiederzukehren, wenn ſich Mademviſelle Dubvis beruhigt haben, und ſich in ihrem gewohnten Zuſtande befinden würde.

So viel war uns klar geworden, daß hier irgend ein Roman geſpielt, irgend welche Ereigniſſe, und zwar traurige Ereigniſſe, vorangegangen ſein mußten, deren Held unſer Großonkel Emil geweſen war, und als deren muth⸗ maßliche Heldin aus meiner Erinnerung nun plötzlich die Prinzeſſin hervor⸗ tauchte, deren ſchönes Bild mir ſchon in meiner Kindheit ſo oft zu denken ge⸗ geben hatte.

Während deſſen ſahen wir uns weiter in der Wohnung um. An den Salon ſtieß ein Schlafzimmer, das in demſelben Geſchmacke und mit demſelben Luxus eingerichtet, aber noch viel verfallener war. Aus dem großen zweiperſo⸗ nigen Bettgeſtelle waren die Kiſſen und Polſter fortgenommen. Nur die untere Matraze lag darin, und an dem Himmel des Bettes waren noch dunkelgrüne, ganz vergilbte Lamberquins befeſtigt, die Behänge des Bettes fehlten jedoch, und auch von dem Waſchtiſch und der Toilette war der größte Theil⸗ der Geräth⸗ ſchaften verſchwunden. Was uns aber am meiſten zu denken gab, war eine Wiege in dem Nebenzimmer, die vollſtändig und unverſehrt mit allen ihren Zuthaten erhalten, auf das ſauberſte mit dichter Bedeckung vor dem Staube geſchützt, und ſichtlich niemals gebraucht worden war.

Das ganze Landhaus, die ganzen Vorgänge wurden uns immer anziehender und räthſelhafter zugleich, weil man ſie in der Familie ſo geheimnißvoll be⸗ handelt, weil ſelbſt mein Vater gegen meinen Bruder dieſes Beſitzes nie in irgend einer Weiſe erwähnt hatte, welche einen beſonderen Antheil daran ver⸗ rathen hätte; und während wir über dieſe Thatſache redeten, traten wir in das Gewächshaus hinein, das eigentlich noch merkwürdiger war, als die ganze Ein⸗ richtung des übrigen Gebäudes.

F Wie das ganze Haus, mußte es einſt ſorgfältig gehalten und mit Luxus 3