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Der Seehof / von Fanny Lewald. Mit 30 Ill. von Heribert König
Entstehung
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Wir begriffen das viel weniger, als irgend eine Mademoiſelle von unſerem Eintreffen begriffen haben konnte, und ohne ſich auf etwas Anderes einzulaſſen, fragte mein Bruder: Heißen Sie Dubois, liebe Frau?

Nein! ich heiße Holzmann, Chriſtine Holzmann, und bin keine Verwandte von unſerer Mamſell, wenn ich ſchon von Jugend auf bei ihr geweſen bin, und ſie auch nicht verlaſſen werde! antwortete ſelbſtgefällig die Gefragte, ſichtlich er⸗ ſtaunt über unſere Unwiſſenheit.

Kann man Mademoiſelle Dubois alſo ſehen? fragte mein Bruder.

Ja, gewiß! gewiß! rief die Haushälterin, wir haben ſchon lange auf Sie gewartet, und da ſie ohnehin nicht ſchläft, habe ich ſie ſchon um vier Uhr Mor⸗ gens anziehen müſſen und ſie ſitzt nun ſeitdem ſo da. Aber freuen wird ſie ſich! Ach Gott! ſehr freuen, die arme Seele! Denn früher, wie ſie bei Kräften war, dachte ſie doch immer, daß der Herr noch wiederkommen würde.

Mein Bruder und ich ſahen uns betroffen an. Die Haushälterin ſchien von einer Kranken zu ſprechen, die ihres Verſtandes nicht völlig mächtig war, und wir wußten kaum, was wir aus ihr ſelber machen ſollten, als ſie mit jener altmodiſchen Förmlichkeit, die ſonderbar gegen ihre derbe Geſtalt abſtach, vor uns hergehend in das Haus eintrat.

Es war ein einſtöckiges, von außen ganz ſchmuckloſes Gebäude, ſechs Fenſter breit, in deren Mitte die Eingangsthür lag. Hätte ſich nicht au die linke Seite des Hauſes ein kleines Treibhaus angeſchloſſen, wären nicht die Spuren von leichter Stuckarbeit über der Thür und über den Fenſtern, wenn auch in gänzlichem Verfalle, ſichtbar geweſen, ſo würde der Seehof ſich von den Bauerhäuſern der Umgegend durch nichts weiter unterſchieden haben, als durch den kleinen Garten, der ihn rings umgab, und der trotz ſeiner Verwahrloſung noch frühere ſorgfältige Anlagen errathen ließ.

Mit wenig Schritten hatten wir dieſen kleinen Garten durchmeſſen und

wurden durch den ſchmalen Hausflur in ein Zimmer hineingeführt, das uns,

obſchon wir uns auf irgend welche Wunderlichkeit gefaßt gemacht hatten, doch auf das äußerſte überraſchte und betroffen machte.

Das Zimmer war ziemlich groß und unverhältnißmäßig hoch. Die Fenſter lagen nach der Gartenſeite, eine Glasthür, dem Eingange gegenüber, führte in das Treibhaus, eine andere, mit Vorhängen verhüllte, nach einer Hinterſtube. Dunkelgraue Damaſt⸗Tapeten bedeckten die Wände, vor den Fenſtern hingen Gardinen von blaßblauem Gros de Tours, vor den Thüren eben ſolche Por⸗ tieren, und auch die Möbel von lackirtem Holze waren mit demſelben Stoffe überzogen. Die vielſcheibigen Spiegel in verſilberter Faſſung, der Glas⸗Kron⸗ leuchter, die ausgelegten, weitgeſchweiften Schränke, die lackirten Etageren fehlten nicht. Schmale Sopha's ſtanden an den Wänden, ein Paar Lehnſtühle auf einem Teppich vor dem Kamine, das Fußkiſſen lag noch bavor, und auf dem Mar⸗

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