Druckschrift 
Der Seehof / von Fanny Lewald. Mit 30 Ill. von Heribert König
Entstehung
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unterzeichnet. Ich weiß aber nicht einmal, ob dieſer Name einem Manne oder einem Weibe angehört, ſo vertrackt und kritzelig iſt die Handſchrift. In des Großvaters wie in des Vaters Privatausgaben ſteht vierteljährig als feſter Poſten: Fünfundſiebzig Thaler nach Seehof; aber von irgend einer Rechnungs⸗ ablegung über dieſen Seehof, von irgend einer dorther kommenden Einnahme iſt keine Spur vorhanden. Ich bin deshalb ſelbſt geſpannt, zu erfahren, was und wen wir dort finden werden, und wem ich vom erſten Juli ab, als Erbe des Geheimniſſes die Penſion zu zahlen habe.

Eine Weile unterhielten wir uns mit ſcherzenden Vermuthungen, dieſe führten aber durch allerlei Nebenwege auf die neueren Familienverhältniſſe zurück, und wir waren mit ganz anderen Dingen beſchäftigt, als auf der letzten Sta⸗ tion der Poſtillon ſich von einem Fußpoſtboten die Straße nach dem Seehof beſchreiben zu laſſen anfing. Das währte eine ganze Weile, denn Poſtillone, welche es gewohnt ſind, immer nur ihre grade Chauſſee entlang zu fahren, finden ſich viel ſchlechter auf Landwegen zurecht als der erſte beſte Bauerburſche, und alles, was mein Bruder und ich aus den verſchiedenen Rechts und Links entnehmen konnten, war, daß wir noch etwa zwei Stunden zu machen haben würden, und daß der Weg keinesfalls ein beſuchter ſein müſſe.

Darin hatten wir uns auch nicht getäuſcht. Gleich vor dem Poſthauſe bog die Straße ab. Wir fuhren eine Viertelſtunde über eine Haide hin, dann kamen wir mitten zwiſchen zwei Kornfeldern durch, während der Boden hügelig wurde. Dörfer fanden wir gar nicht, und nur hier und da ſahen wir ein einzelnes Gehöft. Endlich, als wir einen der Hügel hinangefahren waren, er⸗ blickten wir vor einem Laubwalde, der den Horizont abſchloß, einen großen Teich, der allenfalls den Namen eines See's verdienen konnte, und zwiſchen dieſem See und dem Walde lag anmuthig genug der Seehof.

Das iſt alſo die Familien⸗Domaine! ſagte mein Bruder ſcherzend, als wir das kleine Landhaus mit ſeinen geringen Nebengebäuden vor uns erblickten; aber der Scherz hielt nicht Stich vor einer Art ſchweigender, banger Rührung, die ſich unſerer bemächtigte, ohne daß wir ſie einander eingeſtehen mochten, ohne daß wir im Stande geweſen wären, uns den Grund derſelben klar zu machen.

Mein Bruder hatte unſere Ankunft gemeldet. Schon aus der Entfernung ſahen wir daher einen Knecht in der Thür ſtehen, der uns zu erwarten ſchien und bei dem Nahen unſeres Wagens in das Haus ging. Gleich darauf kehrte er mit einer behäbigen Perſon zurück, die, halb ſtädtiſch, halb ländlich gekleidet, eine Wirthſchafterin oder ſonſt ſo etwas ſein konnte. Sie öffnete ſelbſt den Schlag des Wagens für uns, knixte dazu mehrmals in altmodiſcher Weiſe und ſagte: Die Mamſell wäre gern ſelbſt gekommen, die Herrſchaften zu empfangen, denn ſie hat es ganz gut verſtanden, daß es die Herrſchaften wärenz g wiſſen wohl, ſie iſt ſchwach geworden in ihren hohen Jahren!