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Der arme Niklas : eine Erzählung für die Jugend / von Philipp Körber.
Entstehung
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Bücher hinein über die Hecke, ruft Hans die weiter oben angeführten Worte zu und rennt wie ein gehetzter Hirſch, nach der großen Iſarbrücke. Das Weib läßt ſich in⸗ zwiſchen Zeit mit ihrem Raube; ſie nimmt auf der Brücke die Wäſche, welche ihr ſchwer zu werden beginnt, vom linken auf den rechten Arm, damit verliert ſie eine für Niklas gewonnene koſtbare Minute, denn ſchon er⸗ blickt ſie dieſer von ferne und ſchießt hier durch das Ge⸗ wühl der hier beſtändig zu dieſer Tageszeit vorhandenen Menſchen dem Weibe nach. In dem Moment, in welchem dieſe an der großen Kuiraſſierkaſerne vorübergehen und durch das Thor ins Thal(ein Münchner Stadtviertel) gelangen will, wo bald jede Spur von ihr verſchwunden

ſein würde, ſtürzt ſich der erhitzte, athemloſe Knabe auf

ſie und ruft, indem er ſich feſt in ihre Kleider mit den Händchen häckelt: Halt, Diebin! Hülfe! Hülſe Bei dieſem Angſtruf erblaßt das Weib, ſieht Hunderte von Menſchen ſtehen, näher treten, ſteht ſich durch ſie jeden Ausweg zur Flucht abſchneiden, wählt einen Augen⸗ blick, ob Fliehen, die Wäſche wegwerfen, oder Bleiben, Läugnen und auf gut Glück eines günſtigen Ausganges harren, das Beſte ſei? Im nächſten Moment ruft ſie

drohend:Laß los, Range, oder ich ſchlage dir und

der Drohung folgten ſchon unbarmherzige Hiebe auf den hlonden Lockenkopf des Knaben, der ſie mit dem Ruf: Hütfe! Hülfe! und ohne die Gefangene loszulaſſn,