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kleidete Frau von reinlichem Ausſehen vorüber; Hans und Friedi ſpielten in dieſem Moment mit Lieſe im Gäßchen zwiſchen den Hecken, freuten ſich kindlich über einen ſchönen Schmetterling, den ſie ſo eben gefangen hatten und auf der Erde kriechen ließen. Nur das kleine Lorle war im Gärtchen, die Frau warf einen Blick über die Umgebungen, ging dann herein, zog ein Marzipan⸗ ſtückchen aus der Taſche, lockte das Kind zu ſich und ſagte:„Da, mein kleines Spätzchen, ſetz dich her und wenn du es dir recht gut ſchmecken läßt und ruhig bleibſt, ſo kriegſt du noch eines.“ 2
Das Kind ſetzte ſich, fing an zu ſchmauſen und das Weib zog unterdeß Hemd auf Hems mit gewandter Hand von den Stangen, bis ſie die Laſt groß genug fand, ver⸗ ließ dann ſchnell das Gärtchen mit dem Raub und ſchlug den Weg nach der Stadt ein. Bald erreichte ſie unan⸗ gehalten und noch ganz unbemerkt die Niederung. Faſt auf demſelben Orte, wo jetzt die ſchöne Aukirche ſteht, (damals war hier noch ein grüner umzäunter Anger) begegnete ihr der harttrabende Niklas. Erſt als er an ihr vorüberſtreifte, ſah er, daß ſie auf dem linken Arm einen ſchweren Pack Wäſche trug, und blickte ihr be⸗ troffen nach. Eine ängſtliche Ahnung faßt ihn; er rennt wie ein Pfeil nach ſeiner Hütte, ſieht die Wäſchſtangen leer und ſeine beiden Brüder, vie mit Lieſi betroffen nach den abgeleerten Henken ſchauen. Raſch wirft er ſeine
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