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Schmerz und Mattigkeit zu empfinden, mit einem Sprung aus dem Bette und am Fenſter. Die Hände ringend, ſank ſie da nach einem Blick kraftlos auf die am Fenſter ſtehende Bank. Die langen Wäſcheſtangen auf dem Platze vor dem Hauſe waren größtentheils leer, obwohl ſie vier Dutzend Hemden enthalten hat⸗ ten. Nur die Strümpfe, Unterbeinkleider und Ta⸗ ſchentücher wehten unberührt von den frechen Händen des Diebes an ihrem Platz.
„Mutter, Mutter!“ riefen die Kinder, welche bei dem Anblick der plötzlich auferſtandenen Frau anfangs erſchreckt zurückfuhren, aber jetzt ſich um dieſelbe dräng⸗ ten,„du biſt ja jetzt wieder geſund!“
„Bei Gottlich kann gehen!“ ſagte die Men⸗ der, die ſich nun erſt beſann. Und in der Freude über dieſes unverhoffte Glück vergaß ſie des Unglücks, wel⸗ ches ſie ſo eben niedergeſchmettert hatte. Jetzt bemerkte ſie Niklas Schulbücher, welche Lieſi in der Hand hatte,
und ſagte:„Was haſt du denn da?“
„Der Niklas hat mir ſeine Bücher ins Gärtchen hereingeworfen und iſt fortgelaufen,“ ſagte Hans;„Lieſit hat's aufgehoben.“
„Der gottloſe Bube! Und jetzt eben ſollte er da ſein!“
„Frau— Wäſch!“ ſtammelte das kleine Lorle.
„Wie, Töchterchen? haſt du es geſehen, daß eine Frau die Wäſche nahm?“ forſchte die Mender haſtig.


