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69 „Frau, Wäſch, ada gegangen, mir Zucker geben!“ ſtammelte die Kleine wieder und wies in ihrer Hand einige Reſte von einem Marzipanſtückchen.
„Ja, ja, Mutter, jetzt verſteh' ich erſt, was der Niklas im Fortrennen rief: ich will der Frau nach, ich werde ſie noch einholen! ſchrie er,“ ſagte Hans.“
Die Mender kleidete ſich raſch an und bemerkte mit Staunen und Dank gegen den Allerhöchſten, daß, eine ſehr natürliche Schwäche abgerechnet, ihr nichts mehr fehlte, ja daß ſie wie neugeboren ſei und daß auch die letzte Spur von Schmerzen ſie verlaſſen hätte.„Gott hat an mir ein Wunder gethan; Preis, Ehre und Dank ſei Ihm dafür!“ rief ſie und faltete zum andächtigen Gebet die abgezehrten Hände. Als ſie ge⸗ betet hatte, trocknete ſie die Thränen von ihren Wangen und ſagte:„Ich gehe nicht da weg; ich will es dem lieben Gott überlaſſen, ob er uns vor dieſem Schaden behüten will oder nicht. Sollte es nicht ſein, ſo will ich gerne für alles Erſatz leiſten und müßte auch mein letztes Stücklein Bett darauf gehen, weil ich nur wieder geſund bin!“ Und hingeriſſen von Dank und Ergebung in den Willen des Allmächtigen, ſchlug ſich die beglückte geneſene Dulderin alle Sorgen dieſes Lebens aus dem Sinn, ergriff das Gebetbuch und begann andächtig in demſelben zu leſen. Aber durch einen Beſuch wurde ſie in ihrer Andacht unterbrochen.


