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Der arme Niklas : eine Erzählung für die Jugend / von Philipp Körber.
Entstehung
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wie früher? Und wenn mir der liebe Gott meine Kräfte nicht wieder gäbe; wenn er es vielleicht an⸗ ders beſchloſſen hätte mit mir; was ſoll dann aus meinen armen fünf Kindern werden? Wer wird dieſe unglücklichen Doppelwaiſen aufnehmen, ernähren, kleiden, erziehen, unterrichten laſſen und für ihr Fort⸗ kommen in der Welt ſorgen? Alle dieſe gewich⸗ tigen Fragen erwog die gebeugte Frau mit geäng⸗ ſtetem Herzen und kein Troſt, keine Hoffnung, nichts, was ſie aufrichten konnte, kam ihrem ſntenten Muthe zu Hilfe. Das war hart!

Die Loy war, ehe ſie in die Stadt abging, noch einmal in die Stube hereingekommen, hatte den Schlüſſel ihres Stübchens an den dafür beſtimmten Nagel ge⸗ hängt und ihrer Hausgenoſſin noch anbefohlen, ja recht auf die Wäſche zu achten und die Kinder zur Wachſam⸗ keit anzuhalten, damit nichts entwendet würde. Denn in der Stadt mehrten ſich ſeit geraumer Zeit die Dieb⸗

ſtähle ſo auffallend und es wurde mit ſo raffinirter

Frechheit geraubt, daß Jedermann um ſein Eigenthum be⸗

ſorgt ſein durfte, wenn es auch hinter Thür und Riegeln

verwahrt war, geſchweige denn im Freien offen zu Jeder⸗ manns Händen hing und lag. Dann ſuchte ſie die ängſtlich klagende Frau mit wenigen kräftigen Worten zu tröſten und zu beruhigen und verließ die Hütte. Niklas ging nit ihr in die Schule, welche heute nur bis neun Uhr