geweſen war, ſich über Nacht fortgeſtohlen und ſie der Verfolgung gleichſam zur Beute gelaſſen hatte, ſchien ihr unverzeihlich. Sie kam ſich abſicht⸗ lich und förmlich von ihm verlaſſen vor. Und hatte ſie eben noch aus einem letzten Wohlwollen für ihn dem Beamten erklärt, ſie habe keine Ahnung, wohin ihr Gemahl gegangen ſei: ſo fiel nun eine wirkliche Ungewißheit darüber doppelt auf ſie ſelbſt zurück.
Was ſollte ſie nun beginnen? Zu ihrem Vater zurückkehren, dem ſie die Einwilligung zu ihrer Hei⸗ rath abgetrotzt, der ſie gewiſſermaßen verſtoßen hatte? Oder ihren Mann aufſuchen und ihm— ſeine Pflichten gegen ſie abtrotzen? Zu jenem wie zu dieſem fehlte es ihr an dem verſchiedenen Muthe oder ſie beſaß zu beiden zu viel eigenſinnigen Stolz. Am Ende gingen ihr ſogar auch zu der einen wie zur andern Reiſe die nöthigen Mittel ab, indem alles, was ihr an Werthſachen geblieben, zur Deck⸗ ung des Betrugs in Beſchlag genommen war. Ihre Verlegenheit, mehr und mehr erwogen, ſteigerte ſich zur Verzweiflung, und die Rathloſigkeit der
Koenig, Familienabende. 1. 3


