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Täuschungen : historische Novelle / von Heinrich Koenig
Entstehung
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nicht, daß auf der Reiſe etwas vorgefallen wäre, was zwiſchen dem jungen Ehepaar ein tiefes Miß⸗ verſtändniß bewirkt habe. Denn offenbar hatte die Dame mit einer ſchmerzlichen Kränkung zu kämpfen.

Und wie ſolche Gedanken, durchkreuzten ſich

auch ſeine Empfindungen. Sein reizbares Herz

nahm raſch Partei für die leidende Schönheit. Ein Intereſſe für ihr Geheimniß war nicht abzuweiſen. Tadelnswerther blieb ein Wohlgefallen, verwerf⸗ lich eine Abſicht des jungen Mannes, die ſich mit ſeiner Theilnahme an der Perſon und an dem Ge⸗ heimniſſe der reizenden Frau verknüpften. Er bil⸗ dete ſich nämlich raſch geni eine Entzweiung, ein unglückliches Verhältniß des unbekannten Paares ein, und je höher er dabei die Dame ſtellte, für deſto unwürdiger nahm er ihren Mann. Eben ſo übereilt faßte er die Vorſtellung, in welch ein ſchönes Ver⸗ hältniß er ſelbſt, als Beiſtand und Berather, zu der liebenswürdigen Frau treten würde, wenn ſie allein und fremd in der Stadt zurück bliebe. Er wünſchte ihr Vertrauen zu gewinnen und hoffte ihre Zuneigung zu verdienen. Sie ſelbſt kam ihm

Koenig, Familienabende. 1. 2