Das Schreibepult,
iſt ein Harniſch gegen Verfuͤhrung, und Wunden, die die Welt ſchlug, heilt ſie in ſtiller Haͤuslichkeit.
Dieth. Wer ſollte glauben, einen Hageſtolz reden zu hören?
Herrm. Leider bin ich ein Hageſtolz. Armuth hat die Liebe von mir geſcheucht. Spotten Sie nicht uͤber mich. Bedauern Sie mich alten Mann, der des Lebens groͤßter Wonne entſagen mußte, weil es ihm von Jugend auf ſauer wurde, ſein taͤglich Brod zu verdienen. Wie oft, wenn ich in frohen Abendſtunden Ihrer guten Aeltern Liebe und Eintracht ſah, wie oft iſt mein Herz uͤberge⸗ wallt, und mein Auge feucht geworden? Wie oft habe ich ſchlaflos auf meinem einſamen Lager ein Exempel aus der Algebra gerechnet, um Wuͤnſche zu vergeſſen, die nicht in die Rechnung meines Lebens gehoͤrten? Bedauern Sie mich!
Dieth. Guter Herrmann! Wenn bloß Nahrungs⸗ ſorgen Sie von Hymens Altare verſcheuchen, ſo heira⸗ then Sie. Ich verdopple Ihren Gehalt; ich räume Ihnen die Haͤlfte meines Hauſes ein.
Herrm. Soll auch ich Sie pluͤndern helfen?
Dieth. Dann will ich ſparſam werden;— dann weiß ich doch, fuͤr wen ich ſammle, fuͤr den Freund meines Vaters, den Lehrer meiner Jugend! O ja, lieber
12
Herrmann! Machen Sie mir die Freude! Heirathen Sie!
Herrm. Zu ſpät! Dieth. Ein ſpätes Gluͤck iſt ſchones Herbſtwetter, man genießt es doppelt.
—


