Teil eines Werkes 
3. Th. (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Hier empfing Madame Grillon ihren Gaſt; die Mutter von Agathe trug ein kleines, roſenfarbenes Hütchen auf dem Kopfe, das vielleicht für eine Familienmutter ſchon nicht mehr recht paßte; aber die alte Bekannte von Guerreville ſah noch gut aus, und deßhalb war das roſenfarbene Hütchen nicht gerade lächerlich.

Ein junger Mann mit glatten Haaren und ſiei⸗ fer Binde um ſeinen Hals war ebenfalls im Salon, wo er eben damit beſchäftigt zu ſein ſchien, eine unrechte Falte, die er an ſeinem Vorhemdchen ent⸗ deckt hatte, auszuglätten. Es war ein hübſcher Burſche, ein ganzer Stutzer, mit einer ſehr ſelbſt⸗ gefälligen Miene.

Dann war noch ein ſo großer, ſo langer Mann da, daß ſein Kopf faſt die Decke berührte und daß Alle, die in ſeiner Nähe waren, wie Zwerge er⸗ ſchienen; er war ſo mager, ſo dürr, daß ſeine Glieder beim Gehen zuſammenzubrechen ſchienen. Er war auch noch jung, aber er hatte nichts von einem Stutzer an ſich und ſchien durch ſeine ſchlanke Geſtalt ganz verwirrt.

Madame Grillon empfing Guerreville mit einem zärtlichen Lächeln, mit welchem ſie viel ſagen zu wollen ſchien. Die beiden jungen Leute hatten ſich bei ſeinem Eintritt in den Salon erhoben; aber Agathe ließ ihrer Mutter kaum Zeit zum Sprechen; ſie ging, kam, hüpfte um ihren Pathen herum und ſchien weder ihrem Körper noch ihrer Zunge die geringſte Ruhe gönnen zu wollen.