128
mache noch Eroberungen; in dieſem Falle macht man ſich nur lächerlich und bleibt verlaſſen in irgend einem Winkel ſitzen. Unter den zahlloſen Bewunderern von Stephanie, ſchien beſonders ein Herr von ungefähr dreißig Jahren, den man aber noch einen jungen Mann„ nennen konnte, weil er kaum fünfundzwanzig Jahre alt zu ſein ſchien, von den Reizen des Fräulein Dolbert lebhaft ergriffen zu ſein. Dieſer Herr war auch recht hübſch; groß, edel gebaut, elegant; ſein geiſtreiches, ausgezeichnetes Geſicht war oft ernſt, was in Verbindung mit der eigenthümlichen Bläſſe ſeiner Geſichtsfarbe, ſeinen Zügen einen Anſtrich von Schwermuth gab, der ſchon für ihn einnahm; aber wenn er lächelte, ſo hatten ſeine Augen einen ſchwer zu beſchreibenden Ausdruck, einen Ausdruck, den die Frauen beſſer verſtehen mußten als die Männer, der ſie aber den⸗ noch niemals verletzen konnte. Emil Delaberge, dies war der Name dieſes Herrn, forderte Stephanie bald zum Tanze auf, dabei wechſelte er jedoch mit ihr nur einige unbe⸗ deutende Worte, indem er ſich damit zu begnügen ſchien, ſeine Tänzerin zu bewundern. Beim zweiten Tanze bemühte ſich der junge Mann, Stephanie zum Sprechen zu bringen: dieſe antwortete ihm mit der Milde, mit der liebenswür⸗ digen Offenheit, die ſich ſchon auf ihren Zügen aus⸗ ſprach. Emil ſah auf der Stelle, daß er es mit keiner Kokette zu thun hatte, und daß alle jene


