Teil eines Werkes 
2. Th. (1846)
Entstehung
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Stephanie an die lieblichen Burgfräulein, welche wir in den Gemälden aus dem Mittelalter damit 6 beſchäftigt ſehen, ihren Rittern eine Schärpe zu ſlicken; beſonders aber geſiel an dem jungen Mäd⸗ chen eine gewiſſe Offenheit, eine echt kindliche Hei⸗ terkeit, welche die ſicherſten Beweiſe von ihrem Mangel an Koketterie und ihrer Anſpruchsloſigkeit waren.

Stephanie trug einen feinen neberrock von weißem Mouſſelin, lag auf den Knieen und war damit be⸗ ſchäftigt, eine hübſche Puppe anzukleiden, welche ein kleines Mädchen von ſechs bis ſieben Jahren 3 hielt; dieſes kleine Mädchen, ebenſo elegant ge⸗ kleidet wie Stephanie, war daſſelbe, welches einft einen Rock aus grober Leinwand getragen und nur eine ſchlechte, ſehr abgenützte Schürze hatte und in einer Dachkammer wohnte, in der es ihr oft an dem Nöthigſten gebrach. Es war die kleine Zizine⸗ welche bei Stephanie Dolbert ſo ſehr in Gunſt ge⸗ kommen, die jetzt mit ihr zuſammenwohnte; trotz des Unterſchiedes ihrer Kleidung und ihrer Lebens⸗ weiſe aber war es noch immer die kleine, blaße, niedliche Geſtalt mit dem ausdrucksvollen Geſichte, welches einen ihr Alter weit überſchreitenden Ver⸗ ſtand anzeigte.

Stephanie, die in Folge ihres Charakters, viel⸗ leicht noch mehr Kind war, als ihre kleine Freundin⸗ fand viel Vergnügen daran, die Puppe zu putzen, und bald ſetzte ſie ſich mitten ins Zimmer nieder, ohne zu fürchten, daß ihr ſchöner Anzug darunter