118
Fünftes Kapitel. Die Damen Dolbert.
In einem ſehr ſchönen Salon, deſſen Fenſter nach dem Boulevard de la Madeleine gingen, ſaß eine alte, elegant gekleidete Dame auf einem Di⸗ van; ihr Rücken und ihre Arme waren mit Kiſſen umgeben, die Füße hatte ſie auf ein ſchönes, mit Stickereien eingefaßtes Tabouret geſtellt. Ein Buch lag zur Seite der alten Dame, die ihre Lektüre öfters unterbrach, um in ein kleines Seitenzimmer zu blicken, deſſen Thüre weit geöffnet war.
Dieſes kleine, mit weißem Kaſchemir austape⸗ zirte Zimmer war mit allen kleinen Koſtbarkeiten und phantaſtiſchen Spielereien angefüllt, welche erfunden worden ſind, um den Mußeſtunden einer Frau einigen Reiz zu verleihen. Lackirte Tiſche waren mit Schachteln, Kleinigkeiten für den täg⸗ lichen Gebrauch, Tabletten, Andenken und mit allem dem zum Malen und Zeichnen nöthigen Material bedeckt. An der Seite eines Dintenfaſſes von Perl⸗ mutter erblickte man einen niedlichen Affen aus Porzellan; neben einer Arbeitstoilette war Pouſtro oder ein neues Spiel. Dieſes liebliche Zimmer war das Boudvir Stephaniens, der Enkeltochter von Madame Dolbert.*
Stephanie war erſt ſechszehn Jahre alt; es war ein herrliches Mädchen, blond, roſig, lieblich und voll Grazie; mit ihrem ſchönen griechiſchen Profil, mit ihren dicken Haarflechten ä la Clotilde, erinnerte


