Teil eines Werkes 
1. Th. (1846)
Entstehung
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Perſonen der Stadt ſich einfinden. Mad ame Blan⸗ migndn iſt Wittwe eines Anwalts, der ſein De⸗ partement in der Kammer vertrat; ſie hat fünfzehn⸗ tauſend Franken jährliches Einkommen auf dem Rücken; da ſie aber zugleich gefärbte Haare und gefärbte Augbraunen, übertünchte Wangen und po⸗ madiſirte Lippen trägt, ſo läßt ſich ihr Alter kaum errathen. Darum ſchreiben ihr Einige dreißig, An⸗ dre ſechzig Jahre zu. Thatſache iſt nur, daß Ma⸗ dame Blanmignon einem hart aufgetragenen Aqua⸗ rellgemälde gleicht.

Der Salon iſt groß und elegant möblirt; na⸗ türlich ſteht ein Piano darin. Die Stühle find im Kreiſe um den Kamin geſtellt; Frauen und Fräulein ſitzen, die männlichen Mitglieder lehnen hinter den Stühlen der Damen; es find drollige Geſichter darunter, jedoch auch hübſche. Die Moden ſind eine ſtrenge Nachahmung des Pariſer Journals, aber man trägt ſich nicht mit jener Grazie, jener Koketterie und liebenswürdigen Bequemlichkeit, wie in der Hauptſtadt. Hier herrſcht ceremonienreiche Etikette mit dem Seepter der Langweiligkeit. Die Männer flüſtern halblaut und lächeln nur auf der

Lippenſpitze; die Damen meſſen und bekritteln ſich

und lachen gar nicht; die jungen Mädchen wagen kein Wort zu ſagen ohne Befehl der Mama, und mitten in dieſer Steifheit lächelt, grüßt, heißt ſitzen, bietet ein Schemelchen die Dame des Hauſes, Ma⸗ dame Blanmignon, was immer eine Erörterung von fünf Minuten nach ſich zieht.