98 deßhalb nach der Rue St. Honoré; aber die Bude, welche ehemals ihr gehörte, iſt geſchloſſen. Ich klopfe und erhalte keine Antwort. In dem gegen⸗ über befindlicheu Café weiß man mir auch keine Auskunft über Nicette zu geben, eben ſo wenig in dem Hauſe, wo ihre Mutter ſonſt wohnte.
Ohne Hoffnung, je zu erfahren, was aus Nicette geworden iſt, kehre ich ganz verſtimmt nach Hauſe zurück, und am nächſten Morgen liege ich in Folge einer Erkältung am heftigſten Fieber darnieder. Mein Kopf brennt, mein Gaumen iſt trocken; überall Symptome einer bedeutenden, gefährlichen Krankheit.
Wer wird mich pflegen? Wer wird bei mir wachen? Meine Verwandten ſind nicht in Paris, ich muß mich alſo ſchon auf fremde Leute verlaſſen.
Neun Tage lang weiß ich nicht, wer um mich iſt, denn ich höre und ſehe nichts. Erſt nach Verfluß dieſer Zeit ftellt ſich eine glückliche Kriſis ein, ich bin gerettet; das Fieber läßt nach; ich bedarf jetzt nur noch einer ſorgfältigen Pflege und der Ruhe.
Ich öffne die Augen ein wenig und blicke mit Mühe umher. Frau Dupont ſteht an meinem Bette. „Bin ich lange im Delirium gelegen 2“ frage ich ſie.—„Neun Tage, mein Herr; o Sie waren ſehr krank, bis auf den Tod! Aber dem Himmel ſei Dank, jetzt ſind Sie gerettet und haben nur noch
Ruhe nöthig. Ach! warum find Sie doch bei jenem
Unwetler ausgegangen! Wie unbeſonnen! Aber jung Leute wollen niemals einen Rath annehmen.


