Teil eines Werkes 
4. Th. (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

36

geſagt; woher kommt es, daß ſie ohne meinen Willen alſo handelt? Ich will ſie gerade um eine Erklärung bitten, während der Bediente in den Saal ruſt:Madame von Ponchartrain und ihre Nichte

Ah! es handelt ſich um eine Nichte! Nun er⸗ rathe ich die Sache halb und halb. Alle Blicke kehren ſich nach der Thüre; ich ſehe eine große, hagere, gelbe Frau eintreten, die trotz ihres Alters noch die ganze Lebhaftigkeit der Jugend zu beſitzen ſcheint. Es iſt die Tante; doch ich will lieber die Nichte betrachten. Ein ſchmeichelhaftes Gemurmel läßt ſich bei ihrem Eintritte in den Salon ver⸗ nehmen. In der That, dieſe Richte iſt ſehr hübſch, von mittlerem Wuchſe, gut gebaut, jedoch etwas geſpreizt, was auf Rechnung der Erziehung kommt. Ihre Züge ſind regelmäßig, ihr Teint roſenfarben, ihre Haare äußerſt ſchön, und ihre Augen groß; die Farbe derſelben kann ich noch nicht erkennen, denn ſie ſchlägt ſie beſtändig nieder.

Während Madame Lepine der Frau von Ponchar⸗ train und ihrer Richte entgegengeht, während alle jungen Frauenzimmer die Neuangekommene muſtern und irgend einen Fehler an ihr zu entdecken ſuchen, wirft mir meine Schweſter verſtohlene Blicke zu und ſucht in meinen Augen den Eindruck zu leſen⸗ welchen Fräulein von Ponchartrain auf mein Herz hervorgebracht hat.

Arme Amalie! mein Herz iſt ganz ruhig. ruhig! nein, dies noch nicht, aber dieſe junge Per⸗