28
vom Hauſe Bekanntſchaft zu machen. Man ſpricht
und lacht miteinander und findet während des Spiels häuſig Gelegenheit, ſich ein Wörtchen von Liebe zuzuflüſtern. Auf dieſe Weiſe iſt ſchon mehr als eine Heirath zu Stande gekommen, und wenn man vier Töchter hat, ſo darf man nichts verſäumen. nebrigens geht Alles in der Ordnung. Es herrſcht der ſtrengſte Anſtand bei den Spielen, und Blinde⸗ kuh iſt verboten.
Donnerstags verſammelt man ſich bei einem alten Rathe Hier hat jedoch nur die noble Geſell⸗ ſchaft Zutritt. Auch darf man nicht von Politik, Krieg, Staatsangelegenheiten und Journalgerüchten reden. Es findet kein Spiel ſtatt, weil der Jugend dadurch ein böſes Beiſpiel gegeben werden könnte; man tanzt nicht, weil die Frau Räthin, eine alte Kokette, nie einen Tänzer finden konnte; man gibt keine Fragen oder Räthſel auf, weil das ganze Zimmer in Unordnung gebracht und die Möbel ver⸗ dorben werden könnten; man ſpielt keine Geſell⸗ ſchaftsſpiele, weil der Herr Rath dies für unan⸗ ſtändig hält, und man genießt endlich nichts, weil wohlerzogene Leute niemals Erfriſchungen bedürfen. Im Uebrigen kann man ſagen und thun was man will, ja man darf ſich ſogar amüſiren.
Freitags iſt Geſellſchaft bei einem Wähler, deſſen junge und hübſche Frau alle Moden der Hauptſtadt nachahmt. Hier thut man Alles, was man will, es herrſcht kein Zwang und kein Ceremoniell. Man darf tanzen und fingen, wenn man Luſt hat. Häufig


