Teil eines Werkes 
3. Th. (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

——

25

deſſen Genie die Welt in Staunen verſetzte. Geiſt⸗ reiche und gebildete Leute, dachten nur an das Ver⸗ gnügen, welches ſie aus ſeinen Worten ſchöpfen wür⸗

den; die Dummköpfe aber(denn auch dieſe wollten

mit Voltaire plaudern) beſchäftigten ſich vor Allem mit dem Gedanken, was für eine Figur ſie vor dem Philo ſophen ſpielen ſollten, um ihm ihre Bewun⸗ derung gehörig an den Tag zu legen. Voltaire be⸗ nahm ſich liebenswürdig gegen die Erſtern; als aber eine Dame beim Anblicke des großen Dichters es für paſſend hielt, einen Schrei auszuſtoßen und ohnmäch⸗ tig zu werden, ſo zuckte der Philoſoph die Achſeln und kehrte ihr den Rücken.

„Große Genies find ſelten, große Talente ſind liebenswürdig und beſcheiden; die aber auf halbem Wege ſtehen bleiben, während ſie es hätten weiter bringen können, athmen mit Wolluſt den Weihrauch, den man ihnen mit verſchwenderiſcher Hand anzün⸗ det. Wie ſollte ſich ein junger Menſch, deſſen Stimme weiter nichts als angenehm iſt, nicht für einen Lais oder Martin halten, ſobald man ihn auf eine un⸗ ſinnige Weiſe verhätſchelt. Er wird zum Singen eigentlich gezwungen; noch ehe ſie ihn gehört hä⸗ ben, gerathen die Frauenzimmer vor Bewunderung ſchon außer ſich; ſie rühmen ihn im Vorans bei ih⸗ ren Nachbarn: es iſt köſtlich! göttlich! entzückend! Und ſolche Worte vernimmt das Ohr des Virtuoſen, der endlich in die Wünſche der Verſammlung ſich fügt und nach der herkömmlichen Ziererei eine Ro⸗ manze höchſt mittelmäßig ſingt, aber noch nicht