Teil eines Werkes 
3. Th. (1846)
Entstehung
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denn er hält Alles, was aus ſeinen Händen her⸗ vorgeht, für vollkommen.

Aber die Löflichkeit verlangt, daß wir nicht immer ſagen, was wir denken. Geſetzt, ein Dich⸗ ter liest uns ſeine Verſe vor und dieſelben find ſchlecht, ſo werden wir ihm dieſes nicht ſagen, falls er nicht unſer Freund iſt; denn wir haben ganz und gar keine Lußt, alle Fehler und Lächer⸗ lichkeiten zu rügen; dadurch würden wir uns zu viele Feinde erwecken, weil man dieſe Rolle höch⸗ ſtens im Theater duldet. In der Welt aber will man lieber friedlich für ſich leben, als ſeine Zeit damit verlieren, daß man Andere zu beſſern ſucht.

Wenn wir indeß aus Höflichkeit unſere Gedan⸗ ken zurückhalten, ſo brauchen wir dagegen noch keineswegs das zu ſagen, was wir nicht denken. Wenn man mir abſcheuliche Verſe vorliest, ſo werde ich ſchweigen, aber nicht behaupten, ſie ſeien ent⸗ zückend, ja ich werde mir ſogar gegen den Ver⸗ faſſer derſelben einige Bemerkungen erlauben. Ich kann niemals ein Porträt für getroffen erklären, wenn ich es fehlerhaft finde; ebenſowenig kann ich Jemand wegen ſeines Geſanges loben, wenn er mir die Ohren vollgeſchrieen hat.

Beſonders gegen aufkeimende Talente muß man mit dem Lobe ſparſam ſein, wenn ſie nicht anders erfticken ſollen; die Schmeichelei hat ſchon oft den Flug eines Genies gehemmt, welches im Wahne der Vollkommenheit ſich die Mühe der weiteren Ausbildung erſparen will. Ohne Zweifel iſt es