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man den Halbgöttern gleichſtellt, nicht leicht den Rath anderer Menſchen annimmt!
„Die verderblichen Folgen der Schmeichelei zeig⸗ ten ſich ſchon in den älteſten Zeiten. Durch Schmei⸗ chelei verführte die Schlange das erſte Weib. Seit jener Zeit verführen wir faſt immer durch daſſelbe Mittel dieſe Damen. Die Schmeichelei hat Anto⸗ nius und Nebukadnezar, Semiramis und Maria Stuart, Cing⸗Mars, Monmouth, Cleopatra und Marion Delorme zu Grunde gerichtet; Simſon ließ ſich die Haare abſchneiden, während er auf die Liebkoſungen Delila's hörte; Holofernes ließ ſich den Kopf abhauen, nachdem Judith's lockende Stimme Gnade vor ihm gefunden hatte; verblendet durch ſeine Siege begrub Karl XH. ſeine Armee in den Ebenen von Pultawa;z und auf ſein Glück pochend wollte der Marſchall von Villeroi bei Ramillies eine Schlacht liefern. Weil das Lob uns gegen unſere eigenen Fehler blind macht, ſo bleiben wir auf der Straße der Mittelmäßigkeit ſtehen, während wir vielleicht vermöge unſerer Naturanlagen uns über das Gewöhnliche erheben könnten. Während wir das Ohr den ſtrengen Mahnungen der Wahrheit verſchließen, halten wir die Eigenliebe für Genie, die Eitelkeit für Verdienſt, die Gewandtheit für Talent. Wie viele Künſtler, die unſer Urtheil ein⸗ holen, wollen nur Complimente hören! Man ver⸗ ſichert ihnen, alle ihre Werke ſeien Meiſterftücke und nicht der geringſte Fehler daran! Wer nun dieſes Ziel erreicht hat, gibt ſich keine Mühe mehr,


