Teil eines Werkes 
1. Th. (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

80

die Augen aufzuſchlagen, und Mama macht ein ſo finſteres Geſicht, daß ich es nicht wage, mit ihr zu ſprechen.

Dieß Alles rührt einzig und allein von Rai⸗ munds, der Jungfer Martin und der Portiere Plaudereien her. Man weiß, daß Nicette bei mir übernachtet hat, d. h. die Mama weiß es und hat deßhalb ihren Töchtern befohlen, an mir vorüber⸗ zugehen, ohne die Augen aufzuſchlagen, ohne mir

zuzulächeln und beſonders ohne mit mir zu reden.

Aber, wird der Leſer einwenden, die Modehänd⸗ lerin hat ja auch bei Dir übernachtet! Ja, das iſt ganz etwas Anderes: Agathe trägt eine Kleidung, die Niemanden auffällt und man bemerkte ſie deß⸗ halb nicht; übrigens ſind auch noch Leute in dem Hauſe, für welche ſie Putzwaaren macht, und ſo wußte man nie genau, zu wem ſie kam.

Ich konnte alſo bei Madame Bertin wohlgelitten ſein und in ihre Geſellſchaft zugelaſſen werden, als Jungfer Agathe mich bereits mit ihren Gunftvezeu⸗

gungen beehrte. Nun aber bin ich auf einmal ſchlecht angeſchrieben, weil Nicette, die ſchöne Blu⸗ menhändlerin, bei mir übernachtete, und man weiß, wie es gekommen iſt.

Die Welt iſt einmal ſo: ſie urtheilt nach der Schale, ehe ſie den Inhalt kennt. Ihr möget ſein, wie Ihr wollet, wenn Ihr nur den äußern Anßtand beobachtet; wahret den Schein, dann ſeid Ihr über⸗ all willkommen.*

Dieſe Betrachtungen machen mich übelgelaunt.

—