Zweites Kapitel.
Die Kokette.
Zeitig genug, um noch die kleinen Theater gefüllt zu ſehen, komme ich auf den Boulevards an. Ein Dutzend Colporteure ſtürzen auf mich zu und bieten mir Gegenbillete an.„Der letzte Akt kommt erſt, mein Herr,“ kreiſchen ſie mir in die Ohren;„das iſt der ſchönſte: Sie werden den Kampf mit dem Sä⸗ bel und der Axt, den Brand und das Ballet ſehen. Ganz Paris läuft zu dieſem Stücke herbei... Sie werden da drin überall Platz finden.“
Unvermögend, ſo vielen Zudringlichkeiten zu wi⸗ derſtehen, kaufe ich ein Gegenbillet, womit ich, wie die Kerls ſagten, auf jeden Platz könnte. Man ließ mich indeß nur in's Parterre, wenn ich nicht etwa hinter den Galerien herumwandeln wollte. Ich wähle das Letztere. Um einen Akt zu ſehen, werde ich immer noch recht kommen; auch iſt das, was im Saale vorgeht, öfters ſogar ergötzlicher als das Spiel auf der Bühne. Ich betrachte gerne die Ge⸗ ſtalten um mich her, und es gibt deren ſehr drollige bei den Melodramen; dieſe Theater werden im All⸗ meinen vom Volke und einer Mittelklaſſe beſucht, welche ihre Gefühle nicht zu verbergen wiſſen und die ſich daher dem Eindrucke einer heitern oder erſchüt⸗ ternden Scene ohne Rückhalt überlaſſen.


