1¹0
ann die Frau Gräfin, Deine Wohlthäterin. Uebrigens muß Mamſell Lucilie bald wiederkommen; Du biſt jetzt weit genug hergeſtellt, um mit ihr zu ſprechen von den Perſonen, die Du liebſt.“
Vier Tage nach der eben erzählten Unterredung mit Nanetten kommt die ſehnlichſt erwartete Lucilie. Sie umarmt mich, küßt mich und gibt ihre Freude über meine Wiederherftellung auf die lebhafteſte Weiſe zu erkennen. Ehe ſie Zeit hat, davon anzu⸗ fangen, habe ich ſie ſchon mit Fragen nach Adolphine, ihrer Mutter und den Ereigniſſen im Schloſſe be⸗ ſtürmt. Lucilie läßt ſich nicht lange bitten.
„Kaum hatten Sie das Hotel verlaſſen,“ hebt ſie zu erzählen an,„ſo wurde der Graf von der Gicht befallen, das Fräulein weinte und Madame ſchloß ſich mit ihrer Tochter ein. Man merkte es der Frau Gräfin an, daß ſie viel leiden mußte! Glück⸗ licher Weiſe erfuhr die Gräfin nicht, daß ich die Hand im Spiel hatte, ſonſt.. Der junge Herr Marquis ging unter tauſend wüthenden Drohungen fort. Ach, ich zitterte für Sie, Andreas, denn ich kenne die
Herren! Als er Abends blutend in's Hotel gebracht
und es ruchbar wurde, daß Sie, Andreas, der Thä⸗ ter ſeien, da ſchnob der Herr Graf Feuer und Flammen und die Frau Gräfin verbot, daß je wieder Ihr Name im Hotel genannt werde.“
„O, meine Wohlthäterin, ſo habe ich denn auf immer ihre Freundſchaft verſcherzt! Vielleicht ſtraft ſie mich gar mit Verachtung! Das iſt mehr, als ich aushalten kann!“


