Teil eines Werkes 
4. Th. (1846)
Entstehung
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Schuld; ich hätte meine Blicke nicht erheben ſollen zur Tochter meiner Wohlthäterin. Aber ſtets in ihrer Nähe, wie konnte ich mich ihres Zaubers erwehren? Warum ließen ſie mich acht Jahre lang ſtündlich ihre Tugenden und ihre Reize bewundern? Oder glaubten ſie, der Savoparde habe nicht eben ſo gut ein empfänglich Herz in der Bruſt wie jeder andere Menſch?

Auch die Frau Gräfin hat die Schmerzen der Liebe kennen gelernt, wie mir erzählt wurde, ſie wird daher Mitleid haben. Eine Mutter, die wider ihre Neigung geheirathet hat, wird ihre Tochter nicht zu gleichem Schritte nöthigen. O, ich Unſin⸗ niger! der ich ganz den Grafen, ſeinen Rang und ſein Vermögen vergaß, und eben ſo wenig bedachte, daß man im ſechsunddreißigſten Jahre anders fühlt und denkt als im achtzehnten! Mit den Jahren ver⸗ liert ſich die Empfänglichteit und Reizbarkeit deß Herzens und damit auch das Mitgefühl für die vet⸗ wandten Schmerzen Anderer.

Nach faſt einſtündigem Auf⸗ und Abſpazieren vor dem Hotel und ſtummem Anſchauen der Fenſter von Adolphinens Gemach kehre ich endlich in meine neue Wohnung zurück. Aber mein Herz ſagt mit⸗ daß ich ohne die Dazwiſchenkunft des Marquis noch unter einem und demſelben Dache wäre mit Adol⸗ phine, und deßhalb muß ich den haſſen, der mich von ihr getrennt hat.

Mehrere Wochen ſind nach meinem Umzuge ver⸗

Paul de Kock. LXRXVI. 3