Teil eines Werkes 
4. Th. (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Stunden wie im Fluge. Wenn der Gedanke an Adolphine mir dann und wann einen Seufzer ent⸗ lockt oder meine Stirne in Falten legt, dann nimmt Nanette, als errathe ſie, was in meiner Seele vor⸗ geht, zärtlich meine Hand, ſpricht von der Mutter, der Heimath, und weiß alsbald das Lächeln auf meine Lippen zurückzuzaubern. Vater Bernhard, der mit den Jahren ſich etwas mehr Ruhe und Erholung gönnt, bleibt länger als gewöhnlich am Tiſche ſitzen und leert ein Fläſchchen Wein mit mir auf die Ge⸗ ſundheit Aller, die mir lieb und werth ſind, während Nanette mir leiſe zuflüſtert:Andreas, wie danke ich Dir für den lieben, lieben Tag! Seit lange bin ich nicht ſo glücklich geweſen wie heute!

Auch ich fühle mich recht zufrieden im Kreiſe vieſer guten Seelen, zufriedener als je im Hotel. So reine, ſo ſtille Freuden koſtete ich dort niemals. Warum mußte ich in das ſchöne Haus gerathen, das mir einen großen Theil meiner natürlichen Heiterkeit raubte?

Gegen Abend verlaſſe ich meine Freunde. Ehe ich zu Herrn Dermilly zurückkehre, fühle ich die größte Luſt, beim Hotel vorbei zu gehen und mir die Fen⸗ ſter deſſelben anzuſchauen. Da bin ich vor dem Hauſe, wo meine Kindheit verſtrich und ein Theil meiner Jugend, wo ich die Wohlthaten der Erziehung em⸗ pfing, wo Geiſt und Herz herangebildet wurde. Ach, ich habe dieſe Vortheile theuer erkauft mit dem Verluſte meiner Seelenruhe! Gewiß, nicht der Un⸗ dank ſpricht aus mir; ich bin theilweiſe ſelbſt daran